5.9.13

Qindie Buch des Monats im September 2013

Mein historischer Roman "Königliche Republik" ist von Qindie zum "Buch des Monats" gewählt worden.
Dort, bei Qinide, erzähle ich euch, wie ich zu der Geschichte kam.
"Königliche Republik" gibt es als E-Book auf fast allen großen Plattformen und als Taschenbuch bei Amazon.

Qindie ist eine Gruppe verlagsunabhängiger AutorInnen, deren gemeinsames Ziel ist, handwerklich gute Indie-Bücher zu veröffentlichen.
Ob man eine Geschichte oder ein Genre mag, ist zwar Geschmackssache.und über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Nicht aber darüber, dass ein Buch fehlerfrei sein soll und sauber formatiert.
Und die Geschichte muss Hand und Fuß haben, eine nachvollziehbare Logik und der Schreibstil "lesbar".


Qindie will als "Marke" dafür einstehen.


Kerstin Rachfahl hat kürzlich auf ihrem Blog ein längeres Interview mit mir veröffentlicht, in dem wir vor allem über die "Königliche Republik" gesprochen haben: Buchgeflüster


8.8.13

Die Piratin


Ab heute: Mein Fantasy--Roman, den der Carlsen-Verlag als E-Book veröffentlicht.
"Nanja bereist die Meere schon, seit sie ein kleines Mädchen war. Sie ist furchtlos, abenteuerlustig, liebt die Herausforderung und kann besser fluchen als jeder dahergelaufene Seemann. Seit dem tragischen Tod ihres Vaters ist sie zudem die Kapitänin seines Piratenschiffs und hat alle Hände voll zu tun, um sich als einzige Frau auf einem Schiff voller Männer zu behaupten. Nicht gerade leicht, wenn man eine Ladung gestohlener
Pferde überführen soll, damit sie beim lang erwarteten Rennen gegen die besten Renndrachen des Landes antreten können. Und dann ist da noch Ron, der mit seinem Pferdeverstand nicht nur die stolzen Tiere besänftigen kann, sondern auch das Interesse der sonst so widerspenstigen Piratin weckt "

Erhältlich leider nicht auf allen Plattformen, auf denen es sonst meine Bücher gibt, aber bei Amazon, Weltibld, Kobo, iTunes (nur die deutschsprachigen Plattformen), Thalia, PagePlace, Hugendubel, Bertelsmann



Wie seinerzeit das "Feuerpferd" gibt es diese Verlagsveröffentlichung nicht, weil ich Anfragen n Agenturen oder Verlage verschickt hätte. Der Carlsen-Verlag ist im Gegenteil an mich herangetreten.
So mache ich dies nun als Experiment in einem sich wandelnden Buchmarkt ...


4.7.13

Die Enkelin

Wir haben getauscht: Mein erster Tanzroman ist schon jetzt erschienen.


Madeline Lagrange, die Enkelin des Vorsitzenden des „Tanzclubs Lietzensee“ sieht Gesellschaftstanz lediglich als Kulturtechnik, die sie ohne großen Ehrgeiz lernt. Dann trifft sie auf die Square Dance-Gruppe des Vereins. Und sie verliert ihr Herz – nicht nur an den Tanz, sondern auch an den Caller der Gruppe, den Amerikaner Chris Rinehart.
Chris ist vom ersten Augenblick an fasziniert von Madeline. Aber er ist der Trainer der Gruppe und sie ist minderjährig. Darum kämpft er gegen seine wachsende Zuneigung für sie und verleugnet ihr gegenüber seine Gefühle.
Während Madeline mit der Kompromisslosigkeit ihrer siebzehn Jahre Chris zu verführen versucht, setzt ihr Großvater alles daran, ihn aus dem Verein zu verbannen, um die beiden auseinander zu bringen.

***
Textschnippsel:
(...)
„Ich weiß schon jetzt, dass es mir Spaß machen wird, mit dir zu tanzen.“ Sie lachte ihn an. „Du beklagst dich nicht über Fußtritte.“
Er hakte sie unter. „Vielleicht arbeite ich an einer Revanche. Ines hat heute Tango im Programm. Das wäre ideal.“
„Für einen Tritt von hinten?“
„Für einen Tritt von hinten.“
„Da muss ich dich enttäuschen: Diese komplizierten Figuren haben wir noch nicht gelernt.“
„Treten ist ganz unkompliziert.“
(...)
 ***

Die Enkelin. Quick, quick, slow - Tanzclub Lietzensee". Liebesroman  
Als Taschenbuch bei Amazon 
Als E-Book bei Weltbild, Thalia,  Amazon, Kobo, Google Play, HugendubelXinXii, Beam e-books, iTunes,   Barnes&Noble, Smashwords,

16.5.13

Quick, quick slow - Tanzclub Lietzensee


 Mein "Schreibwerk" arbeitet an einer gemeinsamen Romanreihe, die rund um einen fiktiven Berliner Tanzclub spielt.



Eva Joachimsen hat das erste Buch der Reihe veröffentlicht. "Erfolg lässt sich nicht erzwingen" ist dieGeschichte einer Turniertänzerin, die sich verbissen darum bemüht, den Ansprüchen ihres Partners zu genügen. Aber das Paar scheitert nicht an ihr, sondern an ihm. Dennoch lässt er sie als "ungenügend"  sitzen. Mit einem neuen Partner kommt nicht nur die Freude am Tanzen zurück.
"Erfolg lässt sich nicht erzwingen" als E-Book erhältlich auf Smashwords, Amazon, Kobo, iTunes, XinXii, Beam e-books, Sony und weiteren Plattformen. Bei Amazon demächst auch als Taschenbuch.


 ***


Tine Sprandels "Treppensturz" erscheint dann Ende Juli. Ein Tänzer stürzt die Hintertreppe des Tanzclubs hinunter. Was ist passiert? War es Selbstmord oder trägt jemand Schuld?
Als E-Book und bei Amazon auch als Taschenbuch ab Ende Juli.





***


Mein Tanzroman ist der zweite in der Reihe und Ende Juni erschienen. "Die Enkelin" des Vereinsvorsitzenden sieht Tanzen lediglich als Kulturtechnik statt die Turniertradition der Familie fortzusetzen. Dann lernt sie durch einen ihrer Tanzpartner den Square Dance kennen. Und sie verliert ihr Herz -  an den Caller genauso wie an  den Tanz. Aber ihr Großvater schreckt vor nichts zurück, um die beiden voneinander fernzuhalten.
"Die Enkelin" gibt es als E-Book bei Amazon, Weltbild, Smashwords, KoboXinXii, Beam e-books, iTunes. Als Taschenbuch bei Amazon erhältlich



12.2.13

"Das Feuerpferd" Nummer 1 unter den Pferderomanen

Heute früh ist "Das Feuerpferd" unter den Pferderomanen wieder die Nr. 1 im Kindle Shop.
 Als Taschenbuch ist der Roman ebenfalls bei Amazon erhältlich.

Im Gestüt am Schattensee wird in einer Gewitternacht ein weißes Fohlen geboren. Mit seiner Geburt in der Welt der Sterblichen entschwindet die Kraft des Feuers aus dem Schattenreich und der Insel Seoria droht der Untergang.
Der „alte Grint“ versucht, diesen Moment der Schwäche zu nutzen, um das ganze Schattenreich zu unterwerfen. Seorias Herrscherin, die Zauberfürstin Moghora, muss nun in beiden Welten um ihre Macht kämpfen.
Die Bewohner des Gestüts und eines benachbarten Weinguts sehen sich gezwungen, Partei zu ergreifen; und am Ende sind es Menschen, die über den Ausgang des Kampfes zwischen Moghora und dem alten Grint entscheiden.

Der Roman ist zuerst 2005 als gebundene Verlags-Ausgabe erschienen.

 

Als E-Book auch bei Weltbild  sowie bei Kobo, Google Play Smashwords in allen Formaten, bei beam e-Books, 
bei   Apple (iTunes), Xinxii 




3.7.12

Der Heermeister des Dogen



Eine der Personen aus dem Gefolge Henri de Guises spielt in meinem Roman "Königliche Republik" eine größere Rolle: der Baron de Modène, Esprit de Raymond de Mormoiron, genannt Comte de Modène. Was ihm in Neapel widerfährt, folgt den lhistorischen Tatsachen.

Der Conte de Modène – Conte di Modena für die Neapolitaner – war ein langjähriger Waffengefährte von de Guise. 1641 hatte er an seiner Seite in der Schlacht von Marfée gegen Frankreich gekämpft. Wie de Guise selber wurde er danach vom Pariser Parlament zum Tode verurteilt. Er floh nach Flandern; wurde  allerdings noch von Ludwig XIII begnadigt.

De Guise wurde erst nach dem Tod des Königs von der Regentin begnadigt und kehrte nach Frankreich zurück – um sich erneut einer Verschwörung anzuschließen.
De Modène folgte 1946 dem wieder im Exil lebenden de Guise nach Italien und nach Rom. Während de Guise sich beim Papst um die Auflösung seiner Ehe bemühte, um eine andere Frau zu heiraten, nahmen die aufständischen Neapolitaner Kontakt zu ihnen auf.

De Modène begleitete de Guise nach Neapel und wurde dessen Heermeister. Ein anfangs sehr erfolgreicher Heermeister. Die von ihm angeworbenen Soldaten eroberten unter seinem Kommando einen großen Teil der Provinz Neapel; die Stadt Aversa und dreißig weitere Orte. Dabei musste er nicht nur gegen die Spanier kämpfen, sondern hatte auch die feudalen Landbarone gegen sich, die in Aversa ein Heer gegen die Republik aufgestellt hatten.

Es sind jene Landbarone, denen sich im Roman Mirellas Bruder Dario anschließt. In ihrem Auftrag plant er das Attentat auf den Dogen.

Anfang 1648 wurde die Lage für de Guise aber immer schwieriger, unter anderem wegen der nur halbherzigen Unterstützung durch Kardinal Mazarin. Aus der halbherzigen Unterstützung wurde eine Intrige gegen de Guise: Mazarin versuchte, ihn absetzen zu lassen und durch den Prinzen von Savoyen zu ersetzen.

Gina spricht davon; voller Verwudnerung, weil doch einer ein französischer Prinz so gut wie der andere sei.

De Guise – mehr und mehr unter Druck und inzwischen wohl auch ein wenig paranoid – verdächtigt den Comte de Modène, mit Mazarin und dem Prinzen von Savoyen gemeinsame Sache zu machen. Mitte Februar lässt er ihn festnehmen und des Hochverrats anklagen.

In meinem Roman lasse ich in der Konsequenz auch Alexandre de Monmorency verhaften: „weil er des Herzogs Weisheit in Zweifel gezogen hat“, sagt Albert de Grignoire zu Mirella: Alexandre hatte die Festnahme des Heermeisters kritisiert.
Alexandre kommt wieder frei: De Guise hat ihm nicht wirklich etwas vorzuwerfen; außerdem ist er sein Mündel. Nicht so de Modène.

Ohne seinen begabten und – nicht nur von den Soldaten geschätzten Heermeister aber hat de Guise keine Chance mehr.
Dass de Modène einer Verurteilung entgeht, hat er vermutlich der Niederlage de Guises zu verdanken. Frei kommt er trotzdem erst einmal nicht: Die Spanier halten ihn bis 1650 im Castelnuovo gefangen.
Nach der Freilassung zieht sich de Modène auf seine Güter zurück und lebt fortan fern von allen Intrigen und Verschwörungen. Und verfasst seine Memoiren.

In seinen zweibändigen Memoiren, zum ersten Mal 1666 und 1667 in Paris veröffentlicht und mehrfach wiederaufgelegt, hat er über den Aufstand von Neapel geschrieben: Mémoires du Comte de Modène, sur la révolution de Naples de 1647
Die Sprache weicht nicht allzu weit vom heutigen Französisch ab. Man liest sich schnell ein.
 
Als ich für meinen Roman recherchiert habe, musste ich mich noch mühsam am Bildschirm lesend durch die Seiten schlagen.
Mittlerweile können sie als kostenloses E-Book von Google Play herunterladen werden. Der Druck ist so bearbeitet worden, dass der Text gut lesbar ist.

Print-Ausgabe der "Königlichen Republik" erschienen

Für alle, die ein gedrucktes Buch vorziehen, habe ich die "Königliche Republik" jetzt auch als Taschenbuch veröffentlicht. 
Erhältlich auf Amazon.

  Neapel 1647 nach dem "Masaniello"-Aufstand: 

 
Die ehrgeizige Patriziertochter Mirella Scandore ist mit einem Neffen des spanischen Vizekönigs verlobt, als sich das Volk von Neapel gegen dessen Herrschaft erhebt. Neapel erwählt sich den Herzog von Lothringen, Henri de Guise, zu seinem neuen Dogen. Mirella lernt ihn zu schätzen und verliebt sich in einen seiner Offiziere, Alexandre de Montmorency. Mirellas Bruder Dario dagegen beteiligt sich an einer Verschwörung gegen die junge Republik. Als er verraten wird und ihm die Hinrichtung droht, deckt sie ihn schweren Herzens. Doch dann plant er ein Attentat gegen den Dogen, bei dem unweigerlich auch Alexandre getötet würde ... 

396 Seiten. ISBN 978-1477531143


6.6.12

Welt in Flammen - Historischer Roman

 Frankreich 1642: Jenseits des Dreißigjährigen Kriegs, der unter der Fahne des Glaubens geführt wird, kämpfen die beiden katholischen Mächte Frankreich und Spanien um die Vorherrschaft in Europa. 

Zehn Jahre sind seit der Hinrichtung von Henri II. de Montmorency nach dem gescheiterten Aufstand des Languedoc vergangen. Alexandre Poincarré, den Bastard-Sohn des geköpften Gouverneurs, führt die militärische Karriere zu dem gesellschaftlichen Aufstieg, den er für seine Rache braucht.

Dieser historische Roman wird die Vorgeschichte des jungen Garde-Offiziers erzählen, in den sich Mirella Scandore, die Heldin der "Königlichen Republik", verliebt.


5.6.12

Gennaro Annese - der intrigante Waffenschmied


Eine der wichtigsten Figuren in der Geschichte der ersten neapolitanischen Republik war der Waffenschmied - Er stellte Arkebusen her. -  Gennaro Annese.

Die Quellenlage über ihn ist ein bisschen widersprüchlich ... Jedenfalls ... 
Zeichnung aus dem englischen Wikipedia
Während des Aufstands gegen die Gabella aufs Obst im Juli 1647 wurde ihm von Masaniello die Führung der städtischen Miliz anvertraut. 
Nach Masaniellos Ermordung geriet Annese mit seiner Strategie in immer größeren Gegensatz zu Giulio Genoino, dem "Kopf" hinter dem Aufstand. Genoino setzte auf eine politische Lösung und verhandelte in mehreren Anläufen mit dem spanischen Vizekönig, Herzog de Arcos, über die Ernuerung alter Rechte Neapels sowie eine Reorganisation der Macht, die den Einfluss der feudalen Landbarone schmälerte. In dem Maße, wie der Vizekönig die Vereinbarungen brach - oder auf Druck des spansichen Königs nicht halten konnte -, verlor Genoino an Glaubwürdigkeit bei den Neapolitanern.
Annese dagegen setzte auf den Kampf. Die politische Führung der Stadt wollte ihn deshalb Ende September ermorden lassen, damit wieder Ruhe einkehre. Der gescheiterte Versuch machte Annese aber endgültig populär.
Anfang Oktober erreichte eine spanische Flotte unter Führung von Don Juan d'Austria, dem Bastard-Sohn des spanischen Königs, den Golf von Neapel. Das bedeutete das Scheitern aller Verhandlungen. 
Als Don Juan begann, Neapel zu beschießen, organisierte Annese die Verteidigung. Und er wandte sich an den Papst und Frankreich um Hilfe; er nahm Kontakt zu Henri de Guise auf, der sich in Rom gerade um die Annulierung seiner Ehe bemühte.
Annese entledigte sich des Generalleutnants der Stadt, dem Prinzen Francesco Toraldo, indem er ihn wegen angeblichen Verrats hinrichten ließ. Am 22. Oktober erklärte er Neapel zur unabhängigen Republik. Neapel wurde unter den Schutz von Henri de Guise, Herzog von Lothringen gestellt, ein Nachfahre der Anjou, die einige hundert Jahre zuvor Neapel regiert hatten.
Annese hatte sich eine Teilung der Macht mit Henri de Guise vorgestellt: De Guise sollte für den Sieg über Spanien sorgen und die Fundamente für die Republik legen, mehr nicht. Annese verlor den Machtkampf: Zu Weihnachten gelang es de Guise, ihn praktisch auf die Rolle eines Kastellans des Torrione del Carmine zu beschränken.

In meinem Roman "Königliche Republik" spielt dieser Machtkampf zwischen de Guise und Annese die  entscheidende Rolle im - fiktiven - Hochverratsprozess gegen Mirellas Bruder Dario.

Neapel hält nicht Stand; die Spanier erobern immer größere Teile der Stadt zurück. Da beginnt Annese, ab Ende Februar mit den Spaniern hinter dem Rücken de Guise über die Aufgabe der stadt zu verhandeln in der Hoffnung, damit seine eigene Haut zu retten.
Sein Verrat an der Republik, die doch die seine ist, geht so weit, dass er ein Attentat auf de Guise zumindest billigt, wenn nicht gar unterstützt. Das Attentat kann vereitelt werden; die Vorbereitungen werden verraten.

Auch dieses Attentat habe ich als historischen Hintergrund für den Gang von Mirellas Geschichte in der  "Königlichen Republik"genommen.

De Guise wird geschlagen und gefangen genommen. Die Spanier nehmen Neapel ein, Annese unterwirft sich und behält sein Leben.
Aber nicht lange. Er nimmt wieder Kontakt zu den Franzsoen auf. De Guise ist zwar in Gefangenschaft, aber da gibt es noch einen Savoyer Prinzen, dessen Ambitionen von Mazarin gebilligt werden. 
Es bleibt nicht geheim. Im Juni 1648 lässt der neue spanische Vizekönig, Graf d'Oñate, Annese festnehmen. Von mehreren Freunden verraten, gesteht Annese unter der Folter und wird zum Tode verurteilt.
Am 20. Juni 1648 wird Annese enthauptet.









17.4.12

Geldgeschäfte


  In seinem Roman „La Conjuration des Importants“, der Mitte des 17. Jahrhunderts spielt, schildert Jean d’Aillon, wie der Protagonist größere Geldbeträge in schweren Säcken mit sich führt …

Gold, Silber – im 17. Jahrhundert gab es längst schon internationale Warenströme und länderüberschreitenden Geldtransfer. Wie wurde das eigentlich organisiert?
Im länderübergreifenden Warentransfer – und zwecks Krediten – waren ab dem 14. Jahrhundert in Italien die ersten Bankhäuser mit europaweitem Filialnetz gegründet worden. Die älteste, heute noch existierende Bank der Welt ist übrigens die 1472 als Monte di Pietà in Siena gegründete Banca Monte dei Paschi di Siena.(Derzeit ist sie allerdings in einen Finanzskandal verwickelt, der ihre Existenz bedroht.)
Die Geschäfte wurden ab dem 14. Jahrhundert mit Wechselbriefen abgewickelt. Vorreiter waren natürlich wiederum die italienischen Kaufleute. Der erste Wechselbrief überhaupt soll 1325 in Mailand ausgestellt worden sein.
Das Geld selber kam prinzipiell noch aus der Münze, obwohl es schon Druckereien gab.
Lediglich in Spanien hatte es 1483 Geldscheine als vorübergehenden Ersatz für fehlendes Münzgeld gegeben und 1609 hatte sich die Bank von Amsterdam mit der Ausgabe von Scheinen versucht, die durch entsprechende Münzen gedeckt waren. (Quelle: http://www.ekritik.de/html/wie_entstand_das_papiergeld_.html)

Als Goldmünze wurde ab 1284 in Venedig die Zecchine, auch genannt Dukaten, geprägt, die zu einem europaweiten Zahlungsmittel aus Gold wurde. Ab 1486 wurde sie durch den Taler als Silbermünze ergänzt; in Italien „scudo“ genannt. Das Wort Zecchine hat seinen Ursprung in „zecca“, dem italienischen Wort für die Münze als Prägeanstalt.
Als Rechnungseinheit, auf die  sich im Laufe der Zeit der Wert kleinerer Münzen bezog, wurde in vielen Länder das Gewicht genommen – von Gold nämlich. Und daher rührt die Bezeichnung „Pfund“ als Geldgröße.
Da die Münzen ursprünglich Fraktionen des Gewichts darstellten, war das Rechensystem in der Regel kein dezimales.

In Neapel wurde ab Ende des 13. Jahrhundert der „Carlino“ in Gold geprägt, so genannt nach König Carlo d’Angiò ... Aus der Abstammung von eben den Anjou – so der französische Name – begründete Henri de Guise 1647 sein Anrecht auf den Thron von Neapel.

Der Gold-Carlino wog 4,4 g zu 24 K. Er wurde nur unter Carlo d’Angiò geprägt. Ihm entsprachen später 14 Silber-Carlini.
Im 17. Jahrhundert waren in Neapel statt des angioanischen Carlino die „Tarì“ im Umlauf; sie entsprachen 2 Carlini. Als Kupfermünze wurde der „Cavallo“ in mehreren Stückelungen ausgegeben, den es auch Ende des 15. Jahrhunderts schon für kurze Zeit gegeben hatte.
Sodann gab es von Zeit zu Zeit den die silberne Cinquina, die ein Viertel Carlino wert war; und den Grano im Wert von einem Zehntel Carlino, der bis 1860 im Umlauf war.

Münze der Königlichen Neapolitanischen Republik
Nachdem Henri de Guise zum Dogen gekrönt worden war, ließ er die neapolitanische Münze neues Geld für die Republik prägen und nannte es wiederum Carlino. Er blieb auch nach der Niederlage der Republik noch in Umlauf.

Die Münzbezeichnungen wurden auch in anderen Städten Italiens benutzt; hatten aber ihre eigenen Werte. Italien war damals ein Land mit unzähligen Kleinstaaten – vergleichbar mit den Ländern auf deutschsprachigem Gebiet. Sie wirtschafteten für sich - und auch gegeneinander bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen.


13.3.12

Neapel im Untergrund


Nein, der Blogtitel bezieht sich nicht auf die Camorra, sondern auf die Geologie Neapels ...
In großem Umfang besteht der Untergrund aus dem relativ weichen Tuffstein: ein hervorragendes Baumaterial, das direkt vor Ort zur Verfügung steht. Schon die alten Griechen haben es in der Gegend für ihre Tempel und die Stadtmauer benutzt; die Anfänge reichen an die 5000 Jahre zurück. Merkwürdigerweise haben sie dafür keine Steinbrüche in Tagebauweise betrieben, sondern sind unter die Erde gegangen.
Neben diesen Kavernen gab es auch Katakomben als Begräbnisstätten wie in vielen römischen Städten.
Die Römer haben die unterirdischen Hohlräume zu einem Wasserversorgungssystem verbunden, das die Häuser über Zisternen versorgte. Es war bis zum 19. Jahrhundert in Betrieb, nachdem zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein neues Aquädukt gebaut worden war. Neapel war praktisch die einzige europäische Stadt, die „fließendes“ Trinkwasser in den Häusern hatte. Sie wurden aus der Quelle des Serino, etwa 70 km von Neapel entfernt, versorgt.
Im Mittelalter wurde weiter ausgehöhlt und mit Tuffstein gebaut, sodass ein weitverzweigtes System an Gängen und Höhlen entstand (Napoli sotteranea), die allerlei Zwecken dienen konnten.
Das unterirdische Neapel hat praktisch die gleiche Ausdehnung wie das an der Oberfläche. Die Kavernen haben teilweise gigantische Ausmaße und reichen bis in Tiefen von 40 Metern.
Entsprechend lasse ich in meinem Roman die Verschwörer die Kavernen für die Vorbereitung des Attentats auf den Dogen benutzen, und meine Mirella geht dort unten zusammen mit Cesare auf die Suche nach den Pulverfässern. Leseprobe
Ein kleiner Teil der Tunnel ist heute (wieder) öffentlich zugänglich und kann besichtigt werden. Der gesamte Umfang des unterirdischen Netzes ist in Vergessenheit geraten. Ein Teil war oder ist auch verschüttet. Immer wieder werden neue Bereiche entdeckt, etwa anlässlich des Einsturzes eines Hauses.
Auch der Monte Ecchia, auf dem das Viertel von Pizzofalcone gebaut ist – wo ich in der „Königlichen Republik“ die Trattoria zum „Gallo bianco“ angesiedelt habe - , besteht aus Tuffstein. Die Höhlen dort wurden in prähistorischer Zeit teilweise bewohnt.
Der Weinkeller des „Gallo bianco“ ist in eine solcher Höhlen hineingebaut, wegen der gleichbleibenden Temperaturen ein idealer Lagerort.

6.3.12

Kapellmeister am Hof von Neapel



In meinem historischen Roman „Königliche Republik“ tauchen bei den Bällen im Palazzo Reale – dem Schloss von Neapel – zwei Kapellmeister namentlich auf: Giovanni Trabaci und Andrea Falconieri. Beide sind historische Figuren und waren tatsächlich am Hof des Vizekönigs angestellt.
Der historische Giovanni Maria Trabaci stirbt mitten in meiner Geschichte, am 31. Dezember 1647, sodass Andrea Falconieri beim Maskenball am Mardi gras als sein Nachfolger auftaucht.

Giovanni Maria Trabaci
Giovanni Maria Trabaci, geboren etwa 1575 in der Provinz Matera, war ab 1614 Kapellmeister der Königlichen Kapelle des Hofes von Neapel. Er war Sänger und Organist – und natürlich Komponist: Die von ihm komponierten Passionen gelten als bemerkenswert eigenständiger Beitrag zu dieser Musikgattung. Vor allem aber hat er sich dem neapolitanischen Kanzone gewidmet.  
Im International Music Score Library Project finden sich einige (wenige) seiner Kompositionen: ein Orgelstück, ein Kanzone und eine Fuge. Im Werning Icking Musik Archiv sind Hörbeispiele seiner Musik zu finden.

Andrea Falconieri, geboren vermutlich in Spanien um 1585, war ab 1639 am Hof in Neapel tätig. Nach dem Tod von Giovanni Trabaci übernahm er die Leitung der Königlichen Kapelle. Zuvor war als Musiker am Hof von Florenz und bereiste Spanien und Frankreich.
Er starb, soweit man weiß, während der Pestepidemie von 1656. 
Falconieri war Sänger, Komponist und spielte die Laute. Er schrieb Motetten und Madrigale und Stücke für die frühbarocken Tänze, bei denen er spanische und italienische Elemente kombinierte. Ein „Buch“ mit Kanzoni und Tänzen widmete er Don Juan d’Austria, dem unehelichen Sohn König Philips IV von Spanien, der die Flotte befehligt, die der spanische König im Spätsommer 1647 nach Neapel schickt, um den Aufstand zu beenden. Meine Mirella begegnet Don Juan an Bord seines Flagschiffs, als sie ihren Verlobten besucht.
Eine ganze Reihe der Kompositionen von Andrea Falconieri mit Hörbeispielen finden Interessierte ebenfalls im Werner Icking-Musikarchiv.


Königliche Republik als E-Book erhältlich

Mein historischer Roman "Königliche Republik" ist jetzt als E-Book erschienen.


Derzeit ist er erhältlich auf Smashwords
und auf Amazon in den Kindle Stores aller Länder.
Weitere Plattformen folgen.

Die ehrgeizige Patriziertochter Mirella Scandore ist mit einem Granden Spaniens verlobt, als sich das Volk von Neapel gegen die spanische Herrschaft erhebt. Neapel erwählt sich den Herzog von Lothringen, Henri de Guise, zu seinem neuen Dogen.
Mirella lernt ihn zu schätzen und verliebt sich in einen seiner Offiziere, Alexandre de Montmorency.
Ihr Bruder Dario dagegen bekämpft die junge Republik und schließt sich nach einem Anschlag auf das Tuchlager der Familie den feudalen Landbaronen an. Als er verraten wird, deckt Mirella ihn schweren Herzens.
Doch dann plant er ein Attentat gegen den Dogen, bei dem unweigerlich auch Alexandre getötet würde. 

28.2.12

Kultur und Wissenschaft im Neapel der Frühen Neuzeit



Neapel war zur Zeit der „Königlichen Republik“ mit 400.000 Einwohnern eine der größten Städte Europas.
Im Geschichtsunterricht an deutschen Schulen kommt es nach der Epoche der Staufer gleichwohl kaum vor – vielleicht weil es so „weit abgelegen“ ist?
Neapel war nicht nur groß und reich, sondern auch ein Zentrum der Kultur.
Die erste Universität Neapels wurde 1224 als ghibellinische Einrichtung gegründet, um ein Gegengewicht zur Kultur den Guelfen in Bologna zu schaffen. Sie gilt als die erste laizistische Universität Europas, die „von Staats wegen“ (durch König Ferdinand II) gegründet wurde.

Im 15. Jahrhundert war auf Initiative unabhängiger Bürger die Akademie Pontaniana gegründet worden. Sie diente der Förderung von Wissenschaft, Literatur und Kunst.
Allerdings existierte sie in jener Epoche nur von 1458 bis 1542. Dann wurde sie vom spanischen Vizekönig Pedro de Toledo geschlossen, der im Zuge der Hispanisierung jeglichen Zusammenschluss unabhängiger Bürger behinderte. (Erst zweieinhalb Jahrhunderte später sollte sie wiederbelebt werden.)
Möglicherweise ist die Akademie Pontaniana sogar die älteste Akademie Italiens überhaupt: Ihr Ursprung wird von einigen Historikern auf das Jahr 1442 zurückgeführt, als Alfonso I d’ Aragona kurz vor seiner Krönung zum König von Neapel eine Bibliothek errichtete, in der sich Kulturwissenschaftler zur Diskussion über Philosophie und Literatur versammelten.

Neapolitanisch ist eine eigene romanische Sprache; keineswegs ein italienischer Dialekt. Ab 1442 – per Dekret von König Alfonso I – ersetzte es das Latein in den offiziellen Dokumenten und in den Versammlungen am Hof von Neapel: Ein Jahrhundert lang war es die Amtssprache des Königreichs beider Sizilien.
Im 16. Jahrhundert zwang der spanische König Ferdinand I den Neapolitanern Kastilianisch als Amtssprache auf. Neapolitanisch überlebte fürs erste aber in den Behörden und blieb die Sprache der Diplomatie und der Beamten, bis es dort, per Dekret, von Toskanisch ersetzt wurde.

Zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert, in der Epoche der neapolitanischen Schule, sind komplette Opern-Libretti in neapolitanischer Sprache geschrieben worden.
Und auch das Musical „Masaniello“ von 1996 ist auf neapolitanisch und Aufführungen in anderen Städten werden italienisch „untertitelt“, damit der Text verstanden wird. (Genau genommen ist es keine Untertitelung, sondern eine durchlaufende Leuchtschrift über der Bühne.)
Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurden vier Konservatorien gegründet und die neapolitanische Musik eine eigene Schule. Die Wurzeln des „canzone napoletano“ reichen bis ins 13.Jahrhundert zurück.
Das berühmteste Musikinstrument, die „klassische“ Mandoline – die neapolitanische –, wurde ab dem 17. Jahrhundert vom Instrumentenbauer Vinaccia produziert. Er ersetzte die Kupfersaiten durch Metall und verbesserte dadurch entscheidend den Klang des Instruments.

Caravaggio, der zwischen 1607 und 1610 in Neapel lebte, war prägend für die neapolitanische Malerei des 17. Jahrhunderts, die eine Reihe bedeutender Werke hervorgebracht hat. Zuvor – unter den Anjou – war Giotto in Neapel tätig: Von ihm stammt ein Teil der Fresken der Basilika Santa Chiara.








21.2.12

Neapolitanische Küche



Pizza! Vermutlich noch vor den Nudeln fällt einem die Pizza als klassisches neapolitanisches Gericht ein. Immerhin ist die Pizza napoletana seit Anfang 2005 als Warenzeichen innerhalb der Europäischen Union eingetragen.
Es ist historisch allerdings nicht gesichert, ob die Pizza, so wie wir sie kennen, tatsächlich in Neapel erfunden wurde. Jedenfalls wurden erst seit dem 19.Jahrhundert Flachbrote mit Tomaten, Käse und anderen Zutaten bedeckt und dann gebacken.

Und was haben die Neapolitaner vorher gegessen?

Die Wurzeln der neapolitanischen Küche sind griechisch-römischen Ursprungs. Lukullus – bis heute ein Synonym für gutes und üppiges Essen – besaß eine Villa in Neapel. Dort ließ er für seine Bankette Fische züchten, insbesondere Muränen.
Im Mittelalter galten die Neapolitaner als „Blätterfresser“: Gemüse waren die Hauptnahrungsmittel des einfachen Volkes; besonders beliebt die Brokkoli. Daneben natürlich auch, was das Meer hergab. 

Fleisch war weniger erschwinglich und daher seltener. Es wurde gerne süßsauer zubereitet, mit Pflaumen, Knoblauch, Rosinen, Pinienkernen, Mandeln und Zimt.
Zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert änderten sich die kulinarischen Geschmäcker, als sich die aus Amerika importierten Nahrungsmittel verbreiteten: Tomaten, Kartoffeln, Paprika; der Truthahn und der Kakao.
Mit dem Anwachsen der Bevölkerung und der immer größeren Ausdehnung der Stadt wurden Lebensmittel wichtiger, die sich gut konservieren ließen: Nudeln. Aus den Blätterfressern wurden „Makkaronifresser“.
Die Produktion von Nudeln in quasi-industriellem Umfang begann im 17. Jahrhundert in einem Ort namens Gragnano – gegen 30 km südlich von Neapel – . Zufällig war das dortige, leicht feuchte Klima besonders gut für den notwendigen langsamen Prozess des Trocknens geeignet.
Die Küche der Armen verband Nudeln häufig mit Gemüse oder Fisch und anderen Meerestieren.
Im Sommer war Obst eines der Hauptnahrungsmittel: Darum war es eine neue Steuer – gabella – auf dieses Lebensmittel, die den Aufstand im Sommer 1647 provozierte.
Süße Backwaren, als Kleingebäck oder Torten, gab es traditionell an Weihnachten und Ostern. Und zum Karneval.

„Fast food“ gibt es in Neapel seit den Zeiten der Römer: vorwiegend Frittiertes, das auf der Straße erworben und verzehrt werden konnte.

14.2.12

Europa im 17.Jahrhundert

Schlacht von Rocroi

Der Aufstand 1647 in Neapel erfolgte zu einem Zeitpunkt, an der ein Umbruch der Machtverhältnisse im Europa stattfand.

Die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts in Europa gilt landläufig als vom Dreißigjährigen Krieg geprägt. Scheinbar ein Glaubenskrieg, ging es in Wahrheit um die Vorherrschaft in Europa. Das katholische Frankreich finanzierte die Feldzüge des protestantischen Schweden – ohne das Geld Ludwigs XIII. wäre König Gustav Adolf nicht weit gekommen.
Gewissermaßen parallel zum Dreißígjährigen Krieg kämpfte das katholische Frankreich gegen das katholische Spanien. Im Süden gelang es Frankreich, sich den Roussillon anzueignen. Flandern wurde über Jahre regelmäßig von den Armeen beider Länder verwüstet ... Die Schlacht von Rocroy 1643 erwies sich in der Folge als Anfang vom Ende der militärischen Überlegenheit Spaniens in Europa.

Spanien hatte die unermesslichen Reichtümer aufgebraucht, die es sich nach der Entdeckung Amerikas 1492 angeeignet hatte. Das Gold war nicht in den Aufbau wirtschaftlicher Größe, sondern in kriegerische Auseinandersetzungen geflossen; Spaniens Politik fehlte die Nachhaltigkeit, die 16. Jahrhundert die Niederlande zu einer großen Handelsnation machte, gefolgt von Großbritannien, nachdem dort die Folgen der Glorious Revolution überwunden waren.
Der Mangel an Geld in Spanien führte dazu, dass auch die militärischen Operationen immer schwieriger auszurüsten waren. Die Armeen jener Zeit waren vorwiegend Söldnerarmeen; gab es keinen Sold und auch nichts zu plündern, „kündigten“ die Soldaten. Oftmals verdingten sie sich anschließend bei der feindlichen Armee – wobei sie kriegswichtige Informationen mitbrachten.

Während des Aufstands in Neapel plünderten die spanischen Söldner die Häuser der reichen Adligen, als ihre Versorgungslage prekär wurde. Und sie verkauften ihre Waffen an die Neapolitaner.

Frankreich war zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein Staat, in dem die Gouverneure der Provinzen ihre eigenen Interessen verfolgten, oftmals im Widerspruch zum König. Und König Ludwig XIII hatte einen Gegner in der eigenen Familie; seinen Bruder, genannt Monsieur. Kardinal Richelieu regierte und arbeitete am Aufbau des Zentralstaats, in dem alle Macht in den Händen des Königs (und den seinen) lag.
Richelieu starb 1642; im Frühjahr 1643 auch der König. Mazarin folgte Richelieu im Amt und dieser setzte sie anti-spanische Politik fort. Die Regentin war eine Schwester des spanischen Königs und obwohl sie zuvor den Krieg gegen Spanien abgelehnt hatte, ließ sie ihn nun aus Gründen der Staatsräson fortführen: Ludwig XIV sollte ein mächtiges Reich führen.

Als die aufständischen Neapolitaner sich Hilfe suchend an den Papst wandten, rieten daher Vertraute der französischen Krone, sich unter den Schutz Frankreichs zu begeben. Der Marquis de Fontené, Botschafter Frankreiches in Rom, versprach Hilfe und schlug den Neapolitaner vor, sich an den Herzog de Guise, Henri de Lorraine, zu wenden, der gerade zwecks Annulierung seiner zweiten Ehe in Rom war.

7.2.12

Tänze


 Der Gesellschaftstanz wurde erst zum Ende des Spätmittelalters bzw. in der Frühen Neuzeit ein beliebter Zeitvertreib an den europäischen Fürstenhöfen. Die Tänze schöpften aus den lokalen Volkstänzen – die wiederum später Anleihen an den höfischen Tänzen machten.
Hoftanzmeister und das Erscheinen der ersten Tanzhandbücher sorgten dafür, dass Tänze international wurden. Der Tanz wurde Teil der adligen Lebensweise. Am Anfang standen würdevolle Schreit- und Prozessions-Tänze wie die Pavane. Über die Pavane schrieb der französische Tanztheoretiker Thoinot Arbeau: „Den Königen, Fürsten und großen Herren dient die Pavane dazu, sich aufzublähen und sich prunkend zu zeigen.“
Im 16. Jahrhundert wurden Tänze modern, die sich durch Sprünge und schnellere Bewegungen auszeichneten und auch mehr Beweglichkeit erforderten. Der erste dieser Tänze war die italienische Gaillarde, die bald regelmäßig nach der Pavane getanzt wurde, bis sie von der Courante bzw. der Corrente abgelöst wurde: Aus der altfranzösischen Courante wurde im 17. Jahrhundet die „Courante“ und die „Corrente“ – die Courante langsamer und im 3/2 oder 6/4 Takt; die Corrente meist im 3/8 oder 3/4 Takt. (Die Courante ist langsamer als die Corrente)
Diese lebhaften Tänze als stilisierte Versionen der Volkstänze, die wurden mit gleichfalls stilisierter Musik unterlegt. Entsprechend der von den Tanzschulen gelehrten Reihenfolge der Tänze wurden die passenden Suiten komponiert, in denen uns noch heute die Namen der Tänze begegnen. 

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Wenn von italienischen Volkstänzen die Rede ist, fällt stets ein Begriff: die Tarantella.
Der Legende nach soll sie von denen getanzt worden sein, die von einer giftigen Spinne, der tarantola, gebissen worden waren. Wahrscheinlicher war aber die Stadt Taranto der Namensgeber.

Vermutlich ist sie aus Fandango und Moreska entstanden.
Es ist auch nicht ein Tanz, sondern – heutzutage - der Oberbegriff für eine ganze Reihe süditalienischer Tänze. Gemeinsam ist diesen Tänzen lediglich, dass sie schnell sind. Sie unterscheiden sich aber sowohl in der Tonart wie in der Metrik. Im Laufe der Zeit wurden die regionalen Namen durch die Bezeichnung Tarantella ersetzt. Die erste schriftliche Erwähnung stammt vom Beginn des 17. Jahrhunderts; die Tarantella wurde zum Emblem des „Königreichs der beiden Sizilien“ – Sizilien und Neapel. 
Neben der neapolitanischen Tarantella wurde in Kampanien die Tammuriata nera getanzt. Auch sie wird den Tarantelle zugerechnet, unterscheidet sich von diesen aber durch den strikt binären Rhythmus.
Die Tammuriata wird immer paarweise getanzt; das klassische Instrument - daher der Name - ist eine große Trommel - tammorra -, der sich andere Instrumente, von der Flöte bis zur Ziehharmonika, zugesellen können. Die Tammuriata zeichnet sich durch eine große Dynamik der Armbewegungen was, was dadurch entstanden ist, dass die Tänzer  mit nacchere, einer Art Kastagnetten, den Basis-Rhythmus vorgaben.

 

31.1.12

Schokolade

Die meisten dürften wissen, dass der Kakao nach der Entdeckung Amerikas von den spanischen Konquistadoren nach Europa gebracht wurde; und zwar Anfang des 16. Jahrhunderts. Bei den Azteken wurde Kakao als Kaltgetränk benutzt. Es war bitter und wurde gewürzt, beispielsweise mit Piment oder Pfeffer.
Kakaobohnen waren von großem Wert und wurden im Mexiko Montezumas als Zahlungsmittel benutzt. Kakao galt zudem als berauschendes Lebensmittel und war damit – nach Ansicht der Azteken – für Frau und Kind ungeeignet: Das Getränk war den erwachsenen Männern des Adels vorbehalten.
Schokolade wurde im Laufe des 16. Jahrhunderts zum Modegetränk am spanischen Hof; richtig populär aber erst, nachdem man auf die Idee gekommen war, es zu süßen. Für das 16. Jahrhundert blieb es auf den spanisch beherrschten Teil Europas beschränkt.
Frankreich machte die Bekanntschaft mit der Schokolade 1615 in Bayonne bei der Hochzeit Königs Ludwigs XIII mit der spanischen Prinzessin Anna von Österreich.
Der Beiname „von Österreich“ bezieht sich auf den Habsburger Ursprung der damals in Spanien herrschenden spanischen Königsfamilie. So heißt auch der Bastard-Sohn König Philipps IV. Don Giovanni (oder Don Juan) d’Austria. Er taucht als neuer spanischer Vizekönig in meinem Roman „Königliche Republik“ auf.
Zur Mode wird Schokolade am Hof von Versailles aber erst in der Zeit Ludwigs XIV. Sie wird heiß getrunken wie Kaffee; nur der Hof hat anfangs Zugang zu dem Getränk.
Wer sich an die „Angélique“-Romane von Anne Golon – oder die Filme – erinnert: Angélique wird reich, nachdem sie vom König das Monopol für Schokolade erhalten hat. (Was natürlich nicht den historischen Tatsachen entspricht; aber ein Roman darf das.) Sie eröffnet ein gut gehendes Kaffeehaus und vergibt Lizenzen für andere Städte – Franchising. („Merveilleuse Angélique“)

Wahrscheinlich Ende des 16. Jahrhunderts gelangte die Schokolade nach Italien: Caterina, eine Tochter Philipps II. von Spanien, heiratete 1585 den Herzog von Savoyen, Carlo Emanuele I. Anfang des 17. Jahrhunderts brachte dann ein Florentiner Händler die Schokolade in die Toskana.
Ab 1606 wurde Schokolade in Florenz, Venedig und Turin hergestellt, gelangte also über den höfischen Rahmen hinaus.

Darum ist es plausibel, dass Mirella Scandore in der „Königlichen Republik“ bei der alten Cristina Schokolade trinkt. Zusammen mit dem Süßen war es auch schon verbreitet, sie mit Milch statt mit Wasser zu kochen.

24.1.12

Masaniello – der Schmuggler als Generalleutnant von Neapel



Der von Masaniello angeführte Aufstand im Juli 1647 war der Auslöser für den Versuch der Neapolitaner, sich von der spanischen Herrschaft zu befreien.
Spanien stand im Begriff, die Vorherrschaft in Europa zu verlieren. Nachdem das Gold aus den amerikanischen Indianerreichen aufgebraucht war, musste anderweitig Geld her, um den Krieg in Flandern zu finanzieren.
Der spanische Vizekönig in Neapel sollte eine Million Dukaten eintreiben.

Nach manchen Berichten war es eigentlich Masaniellos Frau Bernadetta Pisa, die am 7. Juli 1647 während des Fests zu Ehren der Madonna del Carmine den Aufstand auslöste. Bernadetta war acht Tage im Gefängnis gewesen, weil sie einen Strumpf voll Mehl steuerfrei in die Stadt geschmuggelt hatte. Um sie auszulösen, hatte Masaniello 100 Scudi zu zahlen, für die er sich verschulden musste.

Masaniello – richtiger Name Tommaso Aniello d'Amalfi – 1620 in Neapel geboren, war Fischer wie sein Vater. Hauptsächlich aber schmuggelte er für den napoletanischen Landadel und brachte es dabei zu beträchtlichem Ruhm.
Gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni und Gruppen von lazzari (damals jugendliche Nichtstuer und Kleinkriminelle aus den armen Schichten) begann Masaniello ab Juni die ersten Scharmützel gegen die gabelle, die während des Marienfestes zum Aufstand wurden.
Der Vizekönig verschanzte sich in einem Kloster und ließ dem Erzbischof der Stadt, Filomarino, ausrichten, er sei bereit, alle Steuern aufzuheben. Und desgleichen die alten Privilegien wieder in Kraft zu setzen, die dem Bürgertum die gleichen Rechte wie den Adligen gaben.
Währenddessen begann Masaniello einen Rachefeldzug gegen die Steuereintreiber, dem bald auch zahllose Adlige und Patrizier zum Opfer fielen. Jeder galt als Verräter, der verhandeln wollte.
Auf diese Weise machte sich Masaniello unter dem Adel Feinde. Ein erstes Attentat auf ihn scheiterte jedoch und der Anführer der Banditen wurde gelyncht.
Am Tag danach wurde Masaniello zum Capitano generale del fedelissimo popolo napoletano ernannt, also zum militärischen Führer von Neapel. Bis dahin hatte er laut einem Brief des Kardinals an den Papst "Vorsicht, Weisheit und Mäßigung“ bewiesen.
Nach seiner Ernennung begann er mit seiner Frau am Hof des Vizekönigs zu verkehren. Und eine Willkürherrschaft über Neapel auszuüben, die an den Terreur der Französischen Revolution erinnert.

Schlimmer aber, er begann Anzeichen von Wahnsinn zu zeigen. Die Legende behauptet, der Auslöser sei ein Halluzinogen gewesen, dass man ihm während eines Banketts beim Vizekönig heimlich verabreicht habe.
Im Verfolgungswahn floh er am 16. Juli in die Basilika der Madonna del Carmine, aber das Volk war nicht mehr bereit, ihm zu gehorchen und ihn zu schützen. Er hielt während der Messe eine Rede und zog sich nackt aus. Filomarino bewog ihn, sich ins angrenzende Kloster zurückzuziehen. Vom Vizekönig gekaufte Soldaten erschossen und köpften ihn dort . Anschließend wurde er in einem Graben verscharrt. 


Am folgenden Tag stellten die Neapolitaner fest, dass sie verloren hatten, was Masaniello ihnen erkämpft hatte. Auf Mehl wurden wieder Steuern erhoben und das Brot wog weniger als am Vortag.
Masaniellos Leiche wurde ausgegraben, der Kopf wieder angenäht und am.18 Juli wurde er nach einer Prozession durch die ganze Stadt in der Basilika begraben.

17.1.12

Tercios - die spanischen Eliteeinheiten der frühen Neuzeit



Die gefürchtetsten Armeeeinheiten des Dreißigjährigen Krieges waren die spanischen Tercios: Bis zur Schlacht von Rocroy (1643) galten sie als unbesiegbar.

Die Tercios waren Infanterieeinheiten und das Besondere an ihnen war ihre ausgeklügelte Formation  aus verschiedenen Waffengattungen: über fünf Meter lange Piken, Schwerter und Schusswaffen (Arkebusen und Musketen). In ihrer endgültigen Struktur bestanden sie aus Einheiten von 3.000 Mann, in der Regel zehn Kompanien.


Ihre Schlachtorganisation war für jene Zeit innovativ; von den antiken römischen Legionen inspiriert. Als kompaktes Karrée, außen die Pikeure, waren sie schwer zu überwinden. Selbst Kavallerieangriffen vermochten sie Stand zu halten. Andererseits waren sie durch ihre unterschiedliche Bewaffnung flexibel. Ein Bild von ihrer Kampfweise bietet der spanisch-französische Spielfilm „Capitain Alatriste“. 


Die ersten drei Tercios waren lange vor dem Dreißigjährigen Krieg gegründet worden, während der Italienischen Kriege zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Sie wurden 1534 und 1536 auf Befehl Königs Karls I. von Spanien geschaffen. Eines davon war (1536) der „Tercio (viejo) de Nápoles“ mit Garnisonen sowohl in Neapel selbst wie in den umliegenden Provinzen. 


Die Armeen jener Zeit formierten sich in der Regel aus Söldnern – Landsknechten –, die sich von Krieg zu Krieg und Land zu Land ihre Arbeit suchten. Die Tercios dagegen bestanden aus professionellen Freiwilligen, die den Einheiten dauerhaft angehörten. Dadurch war der Zusammenhalt in diesen Tercios größer als üblich, wenngleich auch diese Soldaten aus verschiedenen Ländern stammten. 


In Friedenszeiten kostete der Unterhalt der Tercios bis zu einem Drittel des Budgets des Königreichs Kastilien. Der Gewinn bestand in einer erstklassigen Ausbildung für ihre spezielle Kampfweise, die sie den Söldnerarmeen für ein Jahrhundert überlegen machten. 

Erst eine neue Taktik für die Kavallerie und geschickterer Einsatz der Artillerie durch den Duc d’Enghien in der Schlacht von Rocroi setzten ihrem legendären Ruf ein Ende.