Königliche Republik als E-Book
Mein historischer Roman "Königliche Republik" ist jetzt als E-Book erschienen.
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19.2.17
5.6.12
Gennaro Annese - der intrigante Waffenschmied
Eine der wichtigsten Figuren in der Geschichte der ersten neapolitanischen Republik war der Waffenschmied - Er stellte Arkebusen her. - Gennaro Annese.
Die Quellenlage über ihn ist ein bisschen widersprüchlich ... Jedenfalls ...
| Zeichnung aus dem englischen Wikipedia |
Während des Aufstands gegen die Gabella aufs Obst im Juli 1647 wurde ihm von Masaniello die Führung der städtischen Miliz anvertraut.
Nach Masaniellos Ermordung geriet Annese mit seiner Strategie in immer größeren Gegensatz zu Giulio Genoino, dem "Kopf" hinter dem Aufstand. Genoino setzte auf eine politische Lösung und verhandelte in mehreren Anläufen mit dem spanischen Vizekönig, Herzog de Arcos, über die Ernuerung alter Rechte Neapels sowie eine Reorganisation der Macht, die den Einfluss der feudalen Landbarone schmälerte. In dem Maße, wie der Vizekönig die Vereinbarungen brach - oder auf Druck des spansichen Königs nicht halten konnte -, verlor Genoino an Glaubwürdigkeit bei den Neapolitanern.
Annese dagegen setzte auf den Kampf. Die politische Führung der Stadt wollte ihn deshalb Ende September ermorden lassen, damit wieder Ruhe einkehre. Der gescheiterte Versuch machte Annese aber endgültig populär.
Anfang Oktober erreichte eine spanische Flotte unter Führung von Don Juan d'Austria, dem Bastard-Sohn des spanischen Königs, den Golf von Neapel. Das bedeutete das Scheitern aller Verhandlungen.
Als Don Juan begann, Neapel zu beschießen, organisierte Annese die Verteidigung. Und er wandte sich an den Papst und Frankreich um Hilfe; er nahm Kontakt zu Henri de Guise auf, der sich in Rom gerade um die Annulierung seiner Ehe bemühte.
Annese entledigte sich des Generalleutnants der Stadt, dem Prinzen Francesco Toraldo, indem er ihn wegen angeblichen Verrats hinrichten ließ. Am 22. Oktober erklärte er Neapel zur unabhängigen Republik. Neapel wurde unter den Schutz von Henri de Guise, Herzog von Lothringen gestellt, ein Nachfahre der Anjou, die einige hundert Jahre zuvor Neapel regiert hatten.
Annese hatte sich eine Teilung der Macht mit Henri de Guise vorgestellt: De Guise sollte für den Sieg über Spanien sorgen und die Fundamente für die Republik legen, mehr nicht. Annese verlor den Machtkampf: Zu Weihnachten gelang es de Guise, ihn praktisch auf die Rolle eines Kastellans des Torrione del Carmine zu beschränken.
In meinem Roman "Königliche Republik" spielt dieser Machtkampf zwischen de Guise und Annese die entscheidende Rolle im - fiktiven - Hochverratsprozess gegen Mirellas Bruder Dario.
Neapel hält nicht Stand; die Spanier erobern immer größere Teile der Stadt zurück. Da beginnt Annese, ab Ende Februar mit den Spaniern hinter dem Rücken de Guise über die Aufgabe der stadt zu verhandeln in der Hoffnung, damit seine eigene Haut zu retten.
Sein Verrat an der Republik, die doch die seine ist, geht so weit, dass er ein Attentat auf de Guise zumindest billigt, wenn nicht gar unterstützt. Das Attentat kann vereitelt werden; die Vorbereitungen werden verraten.
Auch dieses Attentat habe ich als historischen Hintergrund für den Gang von Mirellas Geschichte in der "Königlichen Republik"genommen.
De Guise wird geschlagen und gefangen genommen. Die Spanier nehmen Neapel ein, Annese unterwirft sich und behält sein Leben.
Aber nicht lange. Er nimmt wieder Kontakt zu den Franzsoen auf. De Guise ist zwar in Gefangenschaft, aber da gibt es noch einen Savoyer Prinzen, dessen Ambitionen von Mazarin gebilligt werden.
Es bleibt nicht geheim. Im Juni 1648 lässt der neue spanische Vizekönig, Graf d'Oñate, Annese festnehmen. Von mehreren Freunden verraten, gesteht Annese unter der Folter und wird zum Tode verurteilt.
Am 20. Juni 1648 wird Annese enthauptet.
17.4.12
Geldgeschäfte
In seinem Roman
„La Conjuration des Importants“, der Mitte des 17. Jahrhunderts spielt,
schildert Jean d’Aillon, wie der Protagonist größere Geldbeträge in schweren
Säcken mit sich führt …
Gold, Silber – im 17. Jahrhundert gab es längst schon
internationale Warenströme und länderüberschreitenden Geldtransfer. Wie wurde
das eigentlich organisiert?
Im länderübergreifenden Warentransfer – und zwecks Krediten
– waren ab dem 14. Jahrhundert in Italien die ersten Bankhäuser mit
europaweitem Filialnetz gegründet worden. Die älteste, heute noch existierende
Bank der Welt ist übrigens die 1472 als Monte di Pietà in Siena
gegründete Banca Monte dei Paschi di Siena.(Derzeit ist sie allerdings in einen Finanzskandal verwickelt, der ihre Existenz bedroht.)
Die Geschäfte wurden ab dem 14. Jahrhundert mit
Wechselbriefen abgewickelt. Vorreiter waren natürlich wiederum die
italienischen Kaufleute. Der erste Wechselbrief überhaupt soll 1325 in Mailand
ausgestellt worden sein.
Das Geld selber kam prinzipiell noch aus der Münze, obwohl
es schon Druckereien gab.
Lediglich in Spanien hatte es 1483 Geldscheine als
vorübergehenden Ersatz für fehlendes Münzgeld gegeben und 1609 hatte sich die
Bank von Amsterdam mit der Ausgabe von Scheinen versucht, die durch
entsprechende Münzen gedeckt waren. (Quelle: http://www.ekritik.de/html/wie_entstand_das_papiergeld_.html)
Als Goldmünze wurde ab 1284 in Venedig die Zecchine, auch
genannt Dukaten, geprägt, die zu einem europaweiten Zahlungsmittel aus Gold
wurde. Ab 1486 wurde sie durch den Taler als Silbermünze ergänzt; in Italien
„scudo“ genannt. Das Wort Zecchine hat seinen Ursprung in „zecca“, dem
italienischen Wort für die Münze als Prägeanstalt.
Als Rechnungseinheit, auf die sich im Laufe der Zeit der Wert kleinerer Münzen bezog, wurde in
vielen Länder das Gewicht genommen – von Gold nämlich. Und daher rührt die
Bezeichnung „Pfund“ als Geldgröße.
Da die Münzen ursprünglich Fraktionen des Gewichts
darstellten, war das Rechensystem in der Regel kein dezimales.
In Neapel wurde ab Ende des 13. Jahrhundert der „Carlino“ in
Gold geprägt, so genannt nach König Carlo d’Angiò ... Aus der Abstammung von
eben den Anjou – so der französische Name – begründete Henri de Guise 1647 sein
Anrecht auf den Thron von Neapel.
Der Gold-Carlino wog 4,4 g zu 24 K. Er wurde nur unter Carlo
d’Angiò geprägt. Ihm entsprachen später 14 Silber-Carlini.
Im 17. Jahrhundert waren in Neapel statt des angioanischen
Carlino die „Tarì“ im Umlauf; sie entsprachen 2 Carlini. Als Kupfermünze wurde
der „Cavallo“ in mehreren Stückelungen ausgegeben, den es auch Ende des 15.
Jahrhunderts schon für kurze Zeit gegeben hatte.
Sodann gab es von Zeit zu Zeit den die silberne Cinquina,
die ein Viertel Carlino wert war; und den Grano im Wert von einem Zehntel
Carlino, der bis 1860 im Umlauf war.
| Münze der Königlichen Neapolitanischen Republik |
Nachdem Henri de Guise zum Dogen gekrönt worden war, ließ er
die neapolitanische Münze neues Geld für die Republik prägen und nannte es
wiederum Carlino. Er blieb auch nach der Niederlage der Republik noch in
Umlauf.
Die Münzbezeichnungen wurden auch in anderen Städten
Italiens benutzt; hatten aber ihre eigenen Werte. Italien war damals ein Land
mit unzähligen Kleinstaaten – vergleichbar mit den Ländern auf deutschsprachigem
Gebiet. Sie wirtschafteten für sich - und auch gegeneinander bis hin zu
kriegerischen Auseinandersetzungen.
13.3.12
Neapel im Untergrund
Nein, der Blogtitel bezieht sich nicht auf die Camorra, sondern auf die Geologie Neapels ...
In großem Umfang besteht der Untergrund aus dem relativ weichen Tuffstein: ein hervorragendes Baumaterial, das direkt vor Ort zur Verfügung steht. Schon die alten Griechen haben es in der Gegend für ihre Tempel und die Stadtmauer benutzt; die Anfänge reichen an die 5000 Jahre zurück. Merkwürdigerweise haben sie dafür keine Steinbrüche in Tagebauweise betrieben, sondern sind unter die Erde gegangen.
Neben diesen Kavernen gab es auch Katakomben als Begräbnisstätten wie in vielen römischen Städten.
Die Römer haben die unterirdischen Hohlräume zu einem Wasserversorgungssystem verbunden, das die Häuser über Zisternen versorgte. Es war bis zum 19. Jahrhundert in Betrieb, nachdem zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein neues Aquädukt gebaut worden war. Neapel war praktisch die einzige europäische Stadt, die „fließendes“ Trinkwasser in den Häusern hatte. Sie wurden aus der Quelle des Serino, etwa 70 km von Neapel entfernt, versorgt.
Im Mittelalter wurde weiter ausgehöhlt und mit Tuffstein gebaut, sodass ein weitverzweigtes System an Gängen und Höhlen entstand (Napoli sotteranea), die allerlei Zwecken dienen konnten.
Das unterirdische Neapel hat praktisch die gleiche Ausdehnung wie das an der Oberfläche. Die Kavernen haben teilweise gigantische Ausmaße und reichen bis in Tiefen von 40 Metern.
Entsprechend lasse ich in meinem Roman die Verschwörer die Kavernen für die Vorbereitung des Attentats auf den Dogen benutzen, und meine Mirella geht dort unten zusammen mit Cesare auf die Suche nach den Pulverfässern. Leseprobe
Ein kleiner Teil der Tunnel ist heute (wieder) öffentlich zugänglich und kann besichtigt werden. Der gesamte Umfang des unterirdischen Netzes ist in Vergessenheit geraten. Ein Teil war oder ist auch verschüttet. Immer wieder werden neue Bereiche entdeckt, etwa anlässlich des Einsturzes eines Hauses.
Auch der Monte Ecchia, auf dem das Viertel von Pizzofalcone gebaut ist – wo ich in der „Königlichen Republik“ die Trattoria zum „Gallo bianco“ angesiedelt habe - , besteht aus Tuffstein. Die Höhlen dort wurden in prähistorischer Zeit teilweise bewohnt.
Der Weinkeller des „Gallo bianco“ ist in eine solcher Höhlen hineingebaut, wegen der gleichbleibenden Temperaturen ein idealer Lagerort.
6.3.12
Kapellmeister am Hof von Neapel
In meinem historischen Roman „Königliche Republik“ tauchen bei den Bällen im Palazzo Reale – dem Schloss von Neapel – zwei Kapellmeister namentlich auf: Giovanni Trabaci und Andrea Falconieri. Beide sind historische Figuren und waren tatsächlich am Hof des Vizekönigs angestellt.
Der historische Giovanni Maria Trabaci stirbt mitten in meiner Geschichte, am 31. Dezember 1647, sodass Andrea Falconieri beim Maskenball am Mardi gras als sein Nachfolger auftaucht.
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| Giovanni Maria Trabaci |
Giovanni Maria Trabaci, geboren etwa 1575 in der Provinz Matera, war ab 1614 Kapellmeister der Königlichen Kapelle des Hofes von Neapel. Er war Sänger und Organist – und natürlich Komponist: Die von ihm komponierten Passionen gelten als bemerkenswert eigenständiger Beitrag zu dieser Musikgattung. Vor allem aber hat er sich dem neapolitanischen Kanzone gewidmet.
Im International Music Score Library Project finden sich einige (wenige) seiner Kompositionen: ein Orgelstück, ein Kanzone und eine Fuge. Im Werning Icking Musik Archiv sind Hörbeispiele seiner Musik zu finden.
Andrea Falconieri, geboren vermutlich in Spanien um 1585, war ab 1639 am Hof in Neapel tätig. Nach dem Tod von Giovanni Trabaci übernahm er die Leitung der Königlichen Kapelle. Zuvor war als Musiker am Hof von Florenz und bereiste Spanien und Frankreich.
Er starb, soweit man weiß, während der Pestepidemie von 1656.
Falconieri war Sänger, Komponist und spielte die Laute. Er schrieb Motetten und Madrigale und Stücke für die frühbarocken Tänze, bei denen er spanische und italienische Elemente kombinierte. Ein „Buch“ mit Kanzoni und Tänzen widmete er Don Juan d’Austria, dem unehelichen Sohn König Philips IV von Spanien, der die Flotte befehligt, die der spanische König im Spätsommer 1647 nach Neapel schickt, um den Aufstand zu beenden. Meine Mirella begegnet Don Juan an Bord seines Flagschiffs, als sie ihren Verlobten besucht.
Falconieri war Sänger, Komponist und spielte die Laute. Er schrieb Motetten und Madrigale und Stücke für die frühbarocken Tänze, bei denen er spanische und italienische Elemente kombinierte. Ein „Buch“ mit Kanzoni und Tänzen widmete er Don Juan d’Austria, dem unehelichen Sohn König Philips IV von Spanien, der die Flotte befehligt, die der spanische König im Spätsommer 1647 nach Neapel schickt, um den Aufstand zu beenden. Meine Mirella begegnet Don Juan an Bord seines Flagschiffs, als sie ihren Verlobten besucht.
Eine ganze Reihe der Kompositionen von Andrea Falconieri mit Hörbeispielen finden Interessierte ebenfalls im Werner Icking-Musikarchiv.
Königliche Republik als E-Book erhältlich
Mein historischer Roman "Königliche Republik" ist jetzt als E-Book erschienen.
Derzeit ist er erhältlich auf Smashwords
und auf Amazon in den Kindle Stores aller Länder.
Weitere Plattformen folgen.
Die ehrgeizige Patriziertochter Mirella Scandore ist mit einem Granden Spaniens verlobt, als sich das Volk von Neapel gegen die spanische Herrschaft erhebt. Neapel erwählt sich den Herzog von Lothringen, Henri de Guise, zu seinem neuen Dogen.
Mirella lernt ihn zu schätzen und verliebt sich in einen seiner Offiziere, Alexandre de Montmorency.
Ihr Bruder Dario dagegen bekämpft die junge Republik und schließt sich nach einem Anschlag auf das Tuchlager der Familie den feudalen Landbaronen an. Als er verraten wird, deckt Mirella ihn schweren Herzens.
Doch dann plant er ein Attentat gegen den Dogen, bei dem unweigerlich auch Alexandre getötet würde.
Mein historischer Roman "Königliche Republik" ist jetzt als E-Book erschienen.
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Die ehrgeizige Patriziertochter Mirella Scandore ist mit einem Granden Spaniens verlobt, als sich das Volk von Neapel gegen die spanische Herrschaft erhebt. Neapel erwählt sich den Herzog von Lothringen, Henri de Guise, zu seinem neuen Dogen.
Mirella lernt ihn zu schätzen und verliebt sich in einen seiner Offiziere, Alexandre de Montmorency.
Ihr Bruder Dario dagegen bekämpft die junge Republik und schließt sich nach einem Anschlag auf das Tuchlager der Familie den feudalen Landbaronen an. Als er verraten wird, deckt Mirella ihn schweren Herzens.
Doch dann plant er ein Attentat gegen den Dogen, bei dem unweigerlich auch Alexandre getötet würde.
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Neapel
28.2.12
Kultur und Wissenschaft im Neapel der Frühen Neuzeit
Neapel war zur Zeit der „Königlichen Republik“ mit 400.000 Einwohnern eine der größten Städte Europas.
Im Geschichtsunterricht an deutschen Schulen kommt es nach der Epoche der Staufer gleichwohl kaum vor – vielleicht weil es so „weit abgelegen“ ist?
Neapel war nicht nur groß und reich, sondern auch ein Zentrum der Kultur.
Die erste Universität Neapels wurde 1224 als ghibellinische Einrichtung gegründet, um ein Gegengewicht zur Kultur den Guelfen in Bologna zu schaffen. Sie gilt als die erste laizistische Universität Europas, die „von Staats wegen“ (durch König Ferdinand II) gegründet wurde.
Im 15. Jahrhundert war auf Initiative unabhängiger Bürger die Akademie Pontaniana gegründet worden. Sie diente der Förderung von Wissenschaft, Literatur und Kunst.
Allerdings existierte sie in jener Epoche nur von 1458 bis 1542. Dann wurde sie vom spanischen Vizekönig Pedro de Toledo geschlossen, der im Zuge der Hispanisierung jeglichen Zusammenschluss unabhängiger Bürger behinderte. (Erst zweieinhalb Jahrhunderte später sollte sie wiederbelebt werden.)
Möglicherweise ist die Akademie Pontaniana sogar die älteste Akademie Italiens überhaupt: Ihr Ursprung wird von einigen Historikern auf das Jahr 1442 zurückgeführt, als Alfonso I d’ Aragona kurz vor seiner Krönung zum König von Neapel eine Bibliothek errichtete, in der sich Kulturwissenschaftler zur Diskussion über Philosophie und Literatur versammelten.
Neapolitanisch ist eine eigene romanische Sprache; keineswegs ein italienischer Dialekt. Ab 1442 – per Dekret von König Alfonso I – ersetzte es das Latein in den offiziellen Dokumenten und in den Versammlungen am Hof von Neapel: Ein Jahrhundert lang war es die Amtssprache des Königreichs beider Sizilien.
Im 16. Jahrhundert zwang der spanische König Ferdinand I den Neapolitanern Kastilianisch als Amtssprache auf. Neapolitanisch überlebte fürs erste aber in den Behörden und blieb die Sprache der Diplomatie und der Beamten, bis es dort, per Dekret, von Toskanisch ersetzt wurde.
Zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert, in der Epoche der neapolitanischen Schule, sind komplette Opern-Libretti in neapolitanischer Sprache geschrieben worden.
Und auch das Musical „Masaniello“ von 1996 ist auf neapolitanisch und Aufführungen in anderen Städten werden italienisch „untertitelt“, damit der Text verstanden wird. (Genau genommen ist es keine Untertitelung, sondern eine durchlaufende Leuchtschrift über der Bühne.)
Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurden vier Konservatorien gegründet und die neapolitanische Musik eine eigene Schule. Die Wurzeln des „canzone napoletano“ reichen bis ins 13.Jahrhundert zurück.
Das berühmteste Musikinstrument, die „klassische“ Mandoline – die neapolitanische –, wurde ab dem 17. Jahrhundert vom Instrumentenbauer Vinaccia produziert. Er ersetzte die Kupfersaiten durch Metall und verbesserte dadurch entscheidend den Klang des Instruments.
Caravaggio, der zwischen 1607 und 1610 in Neapel lebte, war prägend für die neapolitanische Malerei des 17. Jahrhunderts, die eine Reihe bedeutender Werke hervorgebracht hat. Zuvor – unter den Anjou – war Giotto in Neapel tätig: Von ihm stammt ein Teil der Fresken der Basilika Santa Chiara.
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14.2.12
Europa im 17.Jahrhundert
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| Schlacht von Rocroi |
Der Aufstand 1647 in Neapel erfolgte zu einem Zeitpunkt, an der ein Umbruch der Machtverhältnisse im Europa stattfand.
Die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts in Europa gilt landläufig als vom Dreißigjährigen Krieg geprägt. Scheinbar ein Glaubenskrieg, ging es in Wahrheit um die Vorherrschaft in Europa. Das katholische Frankreich finanzierte die Feldzüge des protestantischen Schweden – ohne das Geld Ludwigs XIII. wäre König Gustav Adolf nicht weit gekommen.
Gewissermaßen parallel zum Dreißígjährigen Krieg kämpfte das katholische Frankreich gegen das katholische Spanien. Im Süden gelang es Frankreich, sich den Roussillon anzueignen. Flandern wurde über Jahre regelmäßig von den Armeen beider Länder verwüstet ... Die Schlacht von Rocroy 1643 erwies sich in der Folge als Anfang vom Ende der militärischen Überlegenheit Spaniens in Europa.
Spanien hatte die unermesslichen Reichtümer aufgebraucht, die es sich nach der Entdeckung Amerikas 1492 angeeignet hatte. Das Gold war nicht in den Aufbau wirtschaftlicher Größe, sondern in kriegerische Auseinandersetzungen geflossen; Spaniens Politik fehlte die Nachhaltigkeit, die 16. Jahrhundert die Niederlande zu einer großen Handelsnation machte, gefolgt von Großbritannien, nachdem dort die Folgen der Glorious Revolution überwunden waren.
Der Mangel an Geld in Spanien führte dazu, dass auch die militärischen Operationen immer schwieriger auszurüsten waren. Die Armeen jener Zeit waren vorwiegend Söldnerarmeen; gab es keinen Sold und auch nichts zu plündern, „kündigten“ die Soldaten. Oftmals verdingten sie sich anschließend bei der feindlichen Armee – wobei sie kriegswichtige Informationen mitbrachten.
Während des Aufstands in Neapel plünderten die spanischen Söldner die Häuser der reichen Adligen, als ihre Versorgungslage prekär wurde. Und sie verkauften ihre Waffen an die Neapolitaner.
Frankreich war zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein Staat, in dem die Gouverneure der Provinzen ihre eigenen Interessen verfolgten, oftmals im Widerspruch zum König. Und König Ludwig XIII hatte einen Gegner in der eigenen Familie; seinen Bruder, genannt Monsieur. Kardinal Richelieu regierte und arbeitete am Aufbau des Zentralstaats, in dem alle Macht in den Händen des Königs (und den seinen) lag.
Richelieu starb 1642; im Frühjahr 1643 auch der König. Mazarin folgte Richelieu im Amt und dieser setzte sie anti-spanische Politik fort. Die Regentin war eine Schwester des spanischen Königs und obwohl sie zuvor den Krieg gegen Spanien abgelehnt hatte, ließ sie ihn nun aus Gründen der Staatsräson fortführen: Ludwig XIV sollte ein mächtiges Reich führen.
Als die aufständischen Neapolitaner sich Hilfe suchend an den Papst wandten, rieten daher Vertraute der französischen Krone, sich unter den Schutz Frankreichs zu begeben. Der Marquis de Fontené, Botschafter Frankreiches in Rom, versprach Hilfe und schlug den Neapolitaner vor, sich an den Herzog de Guise, Henri de Lorraine, zu wenden, der gerade zwecks Annulierung seiner zweiten Ehe in Rom war.
7.2.12
Tänze
Der Gesellschaftstanz wurde erst zum Ende des Spätmittelalters bzw. in der Frühen Neuzeit ein beliebter Zeitvertreib an den europäischen Fürstenhöfen. Die Tänze schöpften aus den lokalen Volkstänzen – die wiederum später Anleihen an den höfischen Tänzen machten.
Hoftanzmeister und das Erscheinen der ersten Tanzhandbücher sorgten dafür, dass Tänze international wurden. Der Tanz wurde Teil der adligen Lebensweise. Am Anfang standen würdevolle Schreit- und Prozessions-Tänze wie die Pavane. Über die Pavane schrieb der französische Tanztheoretiker Thoinot Arbeau: „Den Königen, Fürsten und großen Herren dient die Pavane dazu, sich aufzublähen und sich prunkend zu zeigen.“
Im 16. Jahrhundert wurden Tänze modern, die sich durch Sprünge und schnellere Bewegungen auszeichneten und auch mehr Beweglichkeit erforderten. Der erste dieser Tänze war die italienische Gaillarde, die bald regelmäßig nach der Pavane getanzt wurde, bis sie von der Courante bzw. der Corrente abgelöst wurde: Aus der altfranzösischen Courante wurde im 17. Jahrhundet die „Courante“ und die „Corrente“ – die Courante langsamer und im 3/2 oder 6/4 Takt; die Corrente meist im 3/8 oder 3/4 Takt. (Die Courante ist langsamer als die Corrente)
Diese lebhaften Tänze als stilisierte Versionen der Volkstänze, die wurden mit gleichfalls stilisierter Musik unterlegt. Entsprechend der von den Tanzschulen gelehrten Reihenfolge der Tänze wurden die passenden Suiten komponiert, in denen uns noch heute die Namen der Tänze begegnen.
Hoftanzmeister und das Erscheinen der ersten Tanzhandbücher sorgten dafür, dass Tänze international wurden. Der Tanz wurde Teil der adligen Lebensweise. Am Anfang standen würdevolle Schreit- und Prozessions-Tänze wie die Pavane. Über die Pavane schrieb der französische Tanztheoretiker Thoinot Arbeau: „Den Königen, Fürsten und großen Herren dient die Pavane dazu, sich aufzublähen und sich prunkend zu zeigen.“
Im 16. Jahrhundert wurden Tänze modern, die sich durch Sprünge und schnellere Bewegungen auszeichneten und auch mehr Beweglichkeit erforderten. Der erste dieser Tänze war die italienische Gaillarde, die bald regelmäßig nach der Pavane getanzt wurde, bis sie von der Courante bzw. der Corrente abgelöst wurde: Aus der altfranzösischen Courante wurde im 17. Jahrhundet die „Courante“ und die „Corrente“ – die Courante langsamer und im 3/2 oder 6/4 Takt; die Corrente meist im 3/8 oder 3/4 Takt. (Die Courante ist langsamer als die Corrente)
Diese lebhaften Tänze als stilisierte Versionen der Volkstänze, die wurden mit gleichfalls stilisierter Musik unterlegt. Entsprechend der von den Tanzschulen gelehrten Reihenfolge der Tänze wurden die passenden Suiten komponiert, in denen uns noch heute die Namen der Tänze begegnen.
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Wenn von italienischen Volkstänzen die Rede ist, fällt stets ein Begriff: die Tarantella.
Der Legende nach soll sie von denen getanzt worden sein, die von einer giftigen Spinne, der tarantola, gebissen worden waren. Wahrscheinlicher war aber die Stadt Taranto der Namensgeber.
Vermutlich ist sie aus Fandango und Moreska entstanden.
Es ist auch nicht ein Tanz, sondern – heutzutage - der Oberbegriff für eine ganze Reihe süditalienischer Tänze. Gemeinsam ist diesen Tänzen lediglich, dass sie schnell sind. Sie unterscheiden sich aber sowohl in der Tonart wie in der Metrik. Im Laufe der Zeit wurden die regionalen Namen durch die Bezeichnung Tarantella ersetzt. Die erste schriftliche Erwähnung stammt vom Beginn des 17. Jahrhunderts; die Tarantella wurde zum Emblem des „Königreichs der beiden Sizilien“ – Sizilien und Neapel.
Neben der neapolitanischen Tarantella wurde in Kampanien die Tammuriata nera getanzt. Auch sie wird den Tarantelle zugerechnet, unterscheidet sich von diesen aber durch den strikt binären Rhythmus.
Die Tammuriata wird immer paarweise getanzt; das klassische Instrument - daher der Name - ist eine große Trommel - tammorra -, der sich andere Instrumente, von der Flöte bis zur Ziehharmonika, zugesellen können. Die Tammuriata zeichnet sich durch eine große Dynamik der Armbewegungen was, was dadurch entstanden ist, dass die Tänzer mit nacchere, einer Art Kastagnetten, den Basis-Rhythmus vorgaben.
31.1.12
Schokolade
Kakaobohnen waren von großem Wert und wurden im Mexiko Montezumas als Zahlungsmittel benutzt. Kakao galt zudem als berauschendes Lebensmittel und war damit – nach Ansicht der Azteken – für Frau und Kind ungeeignet: Das Getränk war den erwachsenen Männern des Adels vorbehalten.
Schokolade wurde im Laufe des 16. Jahrhunderts zum Modegetränk am spanischen Hof; richtig populär aber erst, nachdem man auf die Idee gekommen war, es zu süßen. Für das 16. Jahrhundert blieb es auf den spanisch beherrschten Teil Europas beschränkt.
Frankreich machte die Bekanntschaft mit der Schokolade 1615 in Bayonne bei der Hochzeit Königs Ludwigs XIII mit der spanischen Prinzessin Anna von Österreich.
Der Beiname „von Österreich“ bezieht sich auf den Habsburger Ursprung der damals in Spanien herrschenden spanischen Königsfamilie. So heißt auch der Bastard-Sohn König Philipps IV. Don Giovanni (oder Don Juan) d’Austria. Er taucht als neuer spanischer Vizekönig in meinem Roman „Königliche Republik“ auf.
Zur Mode wird Schokolade am Hof von Versailles aber erst in der Zeit Ludwigs XIV. Sie wird heiß getrunken wie Kaffee; nur der Hof hat anfangs Zugang zu dem Getränk.
Wer sich an die „Angélique“-Romane von Anne Golon – oder die Filme – erinnert: Angélique wird reich, nachdem sie vom König das Monopol für Schokolade erhalten hat. (Was natürlich nicht den historischen Tatsachen entspricht; aber ein Roman darf das.) Sie eröffnet ein gut gehendes Kaffeehaus und vergibt Lizenzen für andere Städte – Franchising. („Merveilleuse Angélique“)
Wahrscheinlich Ende des 16. Jahrhunderts gelangte die Schokolade nach Italien: Caterina, eine Tochter Philipps II. von Spanien, heiratete 1585 den Herzog von Savoyen, Carlo Emanuele I. Anfang des 17. Jahrhunderts brachte dann ein Florentiner Händler die Schokolade in die Toskana.
Ab 1606 wurde Schokolade in Florenz, Venedig und Turin hergestellt, gelangte also über den höfischen Rahmen hinaus.
Darum ist es plausibel, dass Mirella Scandore in der „Königlichen Republik“ bei der alten Cristina Schokolade trinkt. Zusammen mit dem Süßen war es auch schon verbreitet, sie mit Milch statt mit Wasser zu kochen.
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24.1.12
Masaniello – der Schmuggler als Generalleutnant von Neapel
Der von Masaniello angeführte Aufstand im Juli 1647 war der Auslöser für den Versuch der Neapolitaner, sich von der spanischen Herrschaft zu befreien.
Spanien stand im Begriff, die Vorherrschaft in Europa zu verlieren. Nachdem das Gold aus den amerikanischen Indianerreichen aufgebraucht war, musste anderweitig Geld her, um den Krieg in Flandern zu finanzieren.
Der spanische Vizekönig in Neapel sollte eine Million Dukaten eintreiben.
Nach manchen Berichten war es eigentlich Masaniellos Frau Bernadetta Pisa, die am 7. Juli 1647 während des Fests zu Ehren der Madonna del Carmine den Aufstand auslöste. Bernadetta war acht Tage im Gefängnis gewesen, weil sie einen Strumpf voll Mehl steuerfrei in die Stadt geschmuggelt hatte. Um sie auszulösen, hatte Masaniello 100 Scudi zu zahlen, für die er sich verschulden musste.
Masaniello – richtiger Name Tommaso Aniello d'Amalfi – 1620 in Neapel geboren, war Fischer wie sein Vater. Hauptsächlich aber schmuggelte er für den napoletanischen Landadel und brachte es dabei zu beträchtlichem Ruhm.
Gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni und Gruppen von lazzari (damals jugendliche Nichtstuer und Kleinkriminelle aus den armen Schichten) begann Masaniello ab Juni die ersten Scharmützel gegen die gabelle, die während des Marienfestes zum Aufstand wurden.
Der Vizekönig verschanzte sich in einem Kloster und ließ dem Erzbischof der Stadt, Filomarino, ausrichten, er sei bereit, alle Steuern aufzuheben. Und desgleichen die alten Privilegien wieder in Kraft zu setzen, die dem Bürgertum die gleichen Rechte wie den Adligen gaben.
Währenddessen begann Masaniello einen Rachefeldzug gegen die Steuereintreiber, dem bald auch zahllose Adlige und Patrizier zum Opfer fielen. Jeder galt als Verräter, der verhandeln wollte.
Auf diese Weise machte sich Masaniello unter dem Adel Feinde. Ein erstes Attentat auf ihn scheiterte jedoch und der Anführer der Banditen wurde gelyncht.
Am Tag danach wurde Masaniello zum Capitano generale del fedelissimo popolo napoletano ernannt, also zum militärischen Führer von Neapel. Bis dahin hatte er laut einem Brief des Kardinals an den Papst "Vorsicht, Weisheit und Mäßigung“ bewiesen.
Nach seiner Ernennung begann er mit seiner Frau am Hof des Vizekönigs zu verkehren. Und eine Willkürherrschaft über Neapel auszuüben, die an den Terreur der Französischen Revolution erinnert.
Schlimmer aber, er begann Anzeichen von Wahnsinn zu zeigen. Die Legende behauptet, der Auslöser sei ein Halluzinogen gewesen, dass man ihm während eines Banketts beim Vizekönig heimlich verabreicht habe.
Im Verfolgungswahn floh er am 16. Juli in die Basilika der Madonna del Carmine, aber das Volk war nicht mehr bereit, ihm zu gehorchen und ihn zu schützen. Er hielt während der Messe eine Rede und zog sich nackt aus. Filomarino bewog ihn, sich ins angrenzende Kloster zurückzuziehen. Vom Vizekönig gekaufte Soldaten erschossen und köpften ihn dort . Anschließend wurde er in einem Graben verscharrt.
Am folgenden Tag stellten die Neapolitaner fest, dass sie verloren hatten, was Masaniello ihnen erkämpft hatte. Auf Mehl wurden wieder Steuern erhoben und das Brot wog weniger als am Vortag.
Masaniellos Leiche wurde ausgegraben, der Kopf wieder angenäht und am.18 Juli wurde er nach einer Prozession durch die ganze Stadt in der Basilika begraben.
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17.1.12
Tercios - die spanischen Eliteeinheiten der frühen Neuzeit
Die gefürchtetsten Armeeeinheiten des Dreißigjährigen Krieges waren die spanischen Tercios: Bis zur Schlacht von Rocroy (1643) galten sie als unbesiegbar.
Die Tercios waren Infanterieeinheiten und das Besondere an ihnen war ihre ausgeklügelte Formation aus verschiedenen Waffengattungen: über fünf Meter lange Piken, Schwerter und Schusswaffen (Arkebusen und Musketen). In ihrer endgültigen Struktur bestanden sie aus Einheiten von 3.000 Mann, in der Regel zehn Kompanien.
Ihre Schlachtorganisation war für jene Zeit innovativ; von den antiken römischen Legionen inspiriert. Als kompaktes Karrée, außen die Pikeure, waren sie schwer zu überwinden. Selbst Kavallerieangriffen vermochten sie Stand zu halten. Andererseits waren sie durch ihre unterschiedliche Bewaffnung flexibel. Ein Bild von ihrer Kampfweise bietet der spanisch-französische Spielfilm „Capitain Alatriste“.
Die ersten drei Tercios waren lange vor dem Dreißigjährigen Krieg gegründet worden, während der Italienischen Kriege zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Sie wurden 1534 und 1536 auf Befehl Königs Karls I. von Spanien geschaffen. Eines davon war (1536) der „Tercio (viejo) de Nápoles“ mit Garnisonen sowohl in Neapel selbst wie in den umliegenden Provinzen.
Die Armeen jener Zeit formierten sich in der Regel aus Söldnern – Landsknechten –, die sich von Krieg zu Krieg und Land zu Land ihre Arbeit suchten. Die Tercios dagegen bestanden aus professionellen Freiwilligen, die den Einheiten dauerhaft angehörten. Dadurch war der Zusammenhalt in diesen Tercios größer als üblich, wenngleich auch diese Soldaten aus verschiedenen Ländern stammten.
In Friedenszeiten kostete der Unterhalt der Tercios bis zu einem Drittel des Budgets des Königreichs Kastilien. Der Gewinn bestand in einer erstklassigen Ausbildung für ihre spezielle Kampfweise, die sie den Söldnerarmeen für ein Jahrhundert überlegen machten.
Erst eine neue Taktik für die Kavallerie und geschickterer Einsatz der Artillerie durch den Duc d’Enghien in der Schlacht von Rocroi setzten ihrem legendären Ruf ein Ende.
10.1.12
Henri de Guise, Herzog von Lothringen
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war Frankreich noch kein absolutistisch regierter Zentralstaat. Kardinal Richelieu trieb diese Entwicklung maßgeblich voran; natürlich gegen den Widerstand der Fürsten in den Provinzen. So wurde Frankreich mitten im Dreißigjährigen Krieg von Revolten und Schlachten "Franzosen gegen Franzosen" geplagt.
Einer derer, die gegen den französischen König in den Krieg zogen, war Henri de Guise aus dem Hause Anjou.
„Er war unglaublich jung; Mitte Dreißig vielleicht – wie hatte er in seinem kurzen Leben all die Dinge untergebracht, von denen sie gehört hatte? Erzbischof in Reims, zwei Ehen, eine Verschwörung gegen den König von Frankreich, eine Aussöhnung und eine erneute Verschwörung. Und nun hier für die Interessen Frankreichs. Oder für seine eigenen?“ - aus: Königliche Republik
„Kindheit“ im heutigen Sinn gab es in der Frühen Neuzeit sowieso nicht. Die Söhne der Adligen hatten oft sehr jung schon bedeutende Ämter inne oder waren ranghohe Offiziere.
Henri de Guise (1614-1664) war als eines der jüngeren Kinder von klein auf für die kirchliche Laufbahn bestimmt worden. Obwohl nicht Priester, wurde er schon als Kind Abt mehrerer Klöster. Mit 15 wurde er zum Erzbischof von Reims ernannt. Durch den Tod eines älteren Bruders und dann seines Vaters wurde er der vierte Herzog de Guise. Das gab ihm 1641 den Vorwand, dem ungeliebten Kirchenamt zu entkommen. Auch hatte er Heiratspläne.
Er legte sich mit Richelieu an und musste deshalb aus Frankreich fliehen. Gemeinsam mit anderen französischen Adligen kämpfte er in der Schlacht von La Marfée (1641) gegen Frankreich. Er wurde vom Pariser Parlament daraufhin zum Tode verurteilt. Da man ihn selber nicht in den Fingern hatte, wurde ein Gemälde von ihm „hingerichtet“.
1643, nach dem Tod Richelieus und König Ludwigs XIII wurde er von der Regentin Anna von Österreich begnadigt und konnte nach Paris zurückkehren. Dort beteiligte er sich allerdings fleißig weiter an den Intrigen und musste nach dem Scheitern der „Conjuration des Importants“ erneut Frankreich verlassen.
Inzwischen hatte er geheiratet, mochte aber seine Frau nicht mehr und hatte sich in eine andere verliebt. In Rom versuchte er daher 1647, die Annullierung seiner ersten Ehe zu erreichen.
Die aufständischen Neapolitaner wandten sich Hilfe suchend an Henri de Guise. Daraus, dass seine Vorfahrin Isabelle de Lorraine 1420 den König von Neapel, René d’Anjou, geheiratet hatte, konnte das Anrecht auf den Thron Neapels abgeleitet werden.
Frankreich hieß es natürlich gut, dass Spanien geschwächt wurde; Mazarin und der König sagten ihre Unterstützung des Aufstands zu.
Im November 1647 wurde Henri de Guise zum Dogen von Neapel gekrönt. Die materielle Hilfe Frankreichs blieb aber spärlich. So wurde es nach anfänglichen militärischen Erfolgen immer schwieriger, sich gegen die Spanier zu behaupten. Zudem kam es zum Machtkampf mit Gennaro Annese, dem Generalleutnant Neapels. Schließlich warf de Guise auch noch seinen eigenen Heermeister, den Comte de Modène, wegen angeblichen Verrats ins Gefängnis.
Verraten wurde er aber von Neapolitanern, die im Geheimen mit Spanien paktierten. Er wurde aus der Stadt gelockt und am 6.April 1648 gefangen genommen.
Das war das Ende der Königlichen Republik Neapel.
Henri de Guise blieb bis 1652 in spanischer Gefangenschaft.
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3.1.12
Billard ... ging früher ganz anders
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| Gravur aus einer Spielanleitung von 1674 |
Mirella stieg die Hitze ins Gesicht. „Ich kenne ihn schon eine Weile. Meine Freundin Stefania und ich – wir haben oft mit den Männern de Guises Billard gespielt.“
„Billard – was ist das?“
„Man spielt mit kleinen Bällen auf einem Tisch.“
„Mit kleinen Bällen – erwachsene Männer?“
Mirella lachte lauthals; so hatte sie es noch nie betrachtet. „Man braucht eine ruhige Hand, Augenmaß und muss Geometrie beherrschen.“ (...)
aus "Königliche Republik"
aus "Königliche Republik"
Der französische König Ludwig XI (1461–1483) soll als erster einen Billard-Tisch benutzt haben. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts wurde an vielen europäischen Höfen Billard gespielt. Es hatte sich aus Ballspielen im Freien entwickelt, bei denen der Ball mit einem Stock geschlagen wurde.
Als es - möglicherweise des Wetters wegen - nach innen verlegt wurde, landete es auf dem Tisch. Der wurde mit Leisten versehen, um die Bälle im Zaum zu halten.
Davon abgesehen hatte das damalige Spiel mehr Ähnlichkeit mit Cricket als mit den uns vertrauten Varianten des Billards.
Man benutzte keine Queue, sondern ein Spielgerät, das entfernt an einen Hockey-Schläger erinnert. Damit mussten die Bälle durch Tore, Bögen und über Hindernisse befördert werden.
Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts begann die Entwicklung des Spielstocks zur Queue, als die Bälle mehr und mehr mit dem dünnen Ende des Stocks bewegt und mehr gestoßen als geschlagen wurden.
Nach der Französischen Revolution ging die Weiterentwicklung des Spiels einerseits in Richtung Karambolage, andererseits zum Pool-Billard.
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23.12.11
Die "Königliche Republik" von Neapel 1647/1648
Für uns Heutige klingt der Titel widersprüchlich. Mit einer Republik verbinden wir die modernen demokratischen Regierungssysteme, während ein König doch per Geburtsrecht regiert.
Tatsächlich aber hatten die italienischen Städte in der frühen Neuzeit parlamentarische Strukturen: Sie wurden von, oft gewählten, Vertretern der wirtschaftlich wichtigen Stände beherrscht. Das waren nicht nur die Adligen, sondern auch Patrizier.
Der Herr der Stadt - der Doge - war in seinen Entscheidungen nicht völlig frei, sondern tat gut daran, die Interessen der Standesvertreter zu berücksichtigen.
Beim Stichwort "neapolitanische Republik" fällt den meisten Deutschen die Zeit Napoleons ein.
Die Köngiliche Republik datiert aber gut 150 Jahre früher. Sie hatte mehrere offizielle Namen:
- "Serenissima Repubblica di questo Regno di Napoli"
- "Reale Repubblica Napoletana"
- "Serenissima Monarchia Repubblicana di Napoli"
Aus dem zweiten Namen - Königliche neapolitanische Republik - habe ich den Titel meines historischen Romans "Königliche Republik" gemacht: Er spielt in der Zeit vom Juli 1647 bis April 1648.
Europa befindet sich kurz vor dem Ende des Dreißigjährigen Krieges. Spätestens seit der Schlacht von Rocroi 1642 zeichnet sich mehr und mehr auch militärisch das Ende der spanischen Vorherrschaft ab.
Wirtschaftlich ist Spanien schon länger in Bedrängnis. Die Reichtümer aus der Neuen Welt sind aufgebraucht, vergeudet in langjährigen Kriegen.
Neues Geld muss her. Der spanische Vizekönig, der Stadt und Land von Neapel regiert, dreht immer weiter an der Steuerschraube.
1646 führt er die gabelle auf Obst ein - eines der Hauptnahrungsmittel der Neapolitaner im Sommer. Die Stadt erhebt sich.
Der Aufstand wird geführt von dem Fischer und Schmuggler Tommaso Aniello d'Amalfi, genannt Masaniello. Hinter ihm steht freilich ein intellektueller Kopf, der alte Priester und "Volkstribun" Giulio Genoino. Durch Zugeständnisse gelingt es dem Vizekönig, den Aufstand zu beenden.
Nach der Ermordnung Masaniellos wächst jedoch die Unzufriedenheit erneut - das Volk fühlt sich betrogen.
Unter der Führung des Waffenschmieds Gennaro Annese erhält der Aufstand eine anti-spanische Stoßrichtung. Im Oktober 1647 wird das Vizekönigreich Neapel für unabhängig erklärt. Frankreich wird um Hilfe gebeten.
Henri de Guise, Herzog von Lothringen, ist ein Nachfahre der Anjou, die vor Zeiten Neapel regiert haben. Er nimmt die Einladung der Neapolitaner an, die Regierungsgewalt zu übernehmen.
Mitte November 1647 wird er zum Dogen gekrönt und lässt - auf eigene Kosten - eine Armee gegen die Spanier ausheben. Doch das Kriegsglück währt nicht lange.
| Übergabe an Don Juan d'Austria |
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