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19.2.17

Königliche Republik als E-Book
Mein historischer Roman "Königliche Republik" ist jetzt als E-Book erschienen.

Erhältlich auf allen Plattformen. Universal-Link

3.7.12

Der Heermeister des Dogen



Eine der Personen aus dem Gefolge Henri de Guises spielt in meinem Roman "Königliche Republik" eine größere Rolle: der Baron de Modène, Esprit de Raymond de Mormoiron, genannt Comte de Modène. Was ihm in Neapel widerfährt, folgt den lhistorischen Tatsachen.

Der Conte de Modène – Conte di Modena für die Neapolitaner – war ein langjähriger Waffengefährte von de Guise. 1641 hatte er an seiner Seite in der Schlacht von Marfée gegen Frankreich gekämpft. Wie de Guise selber wurde er danach vom Pariser Parlament zum Tode verurteilt. Er floh nach Flandern; wurde  allerdings noch von Ludwig XIII begnadigt.

De Guise wurde erst nach dem Tod des Königs von der Regentin begnadigt und kehrte nach Frankreich zurück – um sich erneut einer Verschwörung anzuschließen.
De Modène folgte 1946 dem wieder im Exil lebenden de Guise nach Italien und nach Rom. Während de Guise sich beim Papst um die Auflösung seiner Ehe bemühte, um eine andere Frau zu heiraten, nahmen die aufständischen Neapolitaner Kontakt zu ihnen auf.

De Modène begleitete de Guise nach Neapel und wurde dessen Heermeister. Ein anfangs sehr erfolgreicher Heermeister. Die von ihm angeworbenen Soldaten eroberten unter seinem Kommando einen großen Teil der Provinz Neapel; die Stadt Aversa und dreißig weitere Orte. Dabei musste er nicht nur gegen die Spanier kämpfen, sondern hatte auch die feudalen Landbarone gegen sich, die in Aversa ein Heer gegen die Republik aufgestellt hatten.

Es sind jene Landbarone, denen sich im Roman Mirellas Bruder Dario anschließt. In ihrem Auftrag plant er das Attentat auf den Dogen.

Anfang 1648 wurde die Lage für de Guise aber immer schwieriger, unter anderem wegen der nur halbherzigen Unterstützung durch Kardinal Mazarin. Aus der halbherzigen Unterstützung wurde eine Intrige gegen de Guise: Mazarin versuchte, ihn absetzen zu lassen und durch den Prinzen von Savoyen zu ersetzen.

Gina spricht davon; voller Verwudnerung, weil doch einer ein französischer Prinz so gut wie der andere sei.

De Guise – mehr und mehr unter Druck und inzwischen wohl auch ein wenig paranoid – verdächtigt den Comte de Modène, mit Mazarin und dem Prinzen von Savoyen gemeinsame Sache zu machen. Mitte Februar lässt er ihn festnehmen und des Hochverrats anklagen.

In meinem Roman lasse ich in der Konsequenz auch Alexandre de Monmorency verhaften: „weil er des Herzogs Weisheit in Zweifel gezogen hat“, sagt Albert de Grignoire zu Mirella: Alexandre hatte die Festnahme des Heermeisters kritisiert.
Alexandre kommt wieder frei: De Guise hat ihm nicht wirklich etwas vorzuwerfen; außerdem ist er sein Mündel. Nicht so de Modène.

Ohne seinen begabten und – nicht nur von den Soldaten geschätzten Heermeister aber hat de Guise keine Chance mehr.
Dass de Modène einer Verurteilung entgeht, hat er vermutlich der Niederlage de Guises zu verdanken. Frei kommt er trotzdem erst einmal nicht: Die Spanier halten ihn bis 1650 im Castelnuovo gefangen.
Nach der Freilassung zieht sich de Modène auf seine Güter zurück und lebt fortan fern von allen Intrigen und Verschwörungen. Und verfasst seine Memoiren.

In seinen zweibändigen Memoiren, zum ersten Mal 1666 und 1667 in Paris veröffentlicht und mehrfach wiederaufgelegt, hat er über den Aufstand von Neapel geschrieben: Mémoires du Comte de Modène, sur la révolution de Naples de 1647
Die Sprache weicht nicht allzu weit vom heutigen Französisch ab. Man liest sich schnell ein.
 
Als ich für meinen Roman recherchiert habe, musste ich mich noch mühsam am Bildschirm lesend durch die Seiten schlagen.
Mittlerweile können sie als kostenloses E-Book von Google Play herunterladen werden. Der Druck ist so bearbeitet worden, dass der Text gut lesbar ist.

Print-Ausgabe der "Königlichen Republik" erschienen

Für alle, die ein gedrucktes Buch vorziehen, habe ich die "Königliche Republik" jetzt auch als Taschenbuch veröffentlicht. 
Erhältlich auf Amazon.

  Neapel 1647 nach dem "Masaniello"-Aufstand: 

 
Die ehrgeizige Patriziertochter Mirella Scandore ist mit einem Neffen des spanischen Vizekönigs verlobt, als sich das Volk von Neapel gegen dessen Herrschaft erhebt. Neapel erwählt sich den Herzog von Lothringen, Henri de Guise, zu seinem neuen Dogen. Mirella lernt ihn zu schätzen und verliebt sich in einen seiner Offiziere, Alexandre de Montmorency. Mirellas Bruder Dario dagegen beteiligt sich an einer Verschwörung gegen die junge Republik. Als er verraten wird und ihm die Hinrichtung droht, deckt sie ihn schweren Herzens. Doch dann plant er ein Attentat gegen den Dogen, bei dem unweigerlich auch Alexandre getötet würde ... 

396 Seiten. ISBN 978-1477531143


6.6.12

Welt in Flammen - Historischer Roman

 Frankreich 1642: Jenseits des Dreißigjährigen Kriegs, der unter der Fahne des Glaubens geführt wird, kämpfen die beiden katholischen Mächte Frankreich und Spanien um die Vorherrschaft in Europa. 

Zehn Jahre sind seit der Hinrichtung von Henri II. de Montmorency nach dem gescheiterten Aufstand des Languedoc vergangen. Alexandre Poincarré, den Bastard-Sohn des geköpften Gouverneurs, führt die militärische Karriere zu dem gesellschaftlichen Aufstieg, den er für seine Rache braucht.

Dieser historische Roman wird die Vorgeschichte des jungen Garde-Offiziers erzählen, in den sich Mirella Scandore, die Heldin der "Königlichen Republik", verliebt.


5.6.12

Gennaro Annese - der intrigante Waffenschmied


Eine der wichtigsten Figuren in der Geschichte der ersten neapolitanischen Republik war der Waffenschmied - Er stellte Arkebusen her. -  Gennaro Annese.

Die Quellenlage über ihn ist ein bisschen widersprüchlich ... Jedenfalls ... 
Zeichnung aus dem englischen Wikipedia
Während des Aufstands gegen die Gabella aufs Obst im Juli 1647 wurde ihm von Masaniello die Führung der städtischen Miliz anvertraut. 
Nach Masaniellos Ermordung geriet Annese mit seiner Strategie in immer größeren Gegensatz zu Giulio Genoino, dem "Kopf" hinter dem Aufstand. Genoino setzte auf eine politische Lösung und verhandelte in mehreren Anläufen mit dem spanischen Vizekönig, Herzog de Arcos, über die Ernuerung alter Rechte Neapels sowie eine Reorganisation der Macht, die den Einfluss der feudalen Landbarone schmälerte. In dem Maße, wie der Vizekönig die Vereinbarungen brach - oder auf Druck des spansichen Königs nicht halten konnte -, verlor Genoino an Glaubwürdigkeit bei den Neapolitanern.
Annese dagegen setzte auf den Kampf. Die politische Führung der Stadt wollte ihn deshalb Ende September ermorden lassen, damit wieder Ruhe einkehre. Der gescheiterte Versuch machte Annese aber endgültig populär.
Anfang Oktober erreichte eine spanische Flotte unter Führung von Don Juan d'Austria, dem Bastard-Sohn des spanischen Königs, den Golf von Neapel. Das bedeutete das Scheitern aller Verhandlungen. 
Als Don Juan begann, Neapel zu beschießen, organisierte Annese die Verteidigung. Und er wandte sich an den Papst und Frankreich um Hilfe; er nahm Kontakt zu Henri de Guise auf, der sich in Rom gerade um die Annulierung seiner Ehe bemühte.
Annese entledigte sich des Generalleutnants der Stadt, dem Prinzen Francesco Toraldo, indem er ihn wegen angeblichen Verrats hinrichten ließ. Am 22. Oktober erklärte er Neapel zur unabhängigen Republik. Neapel wurde unter den Schutz von Henri de Guise, Herzog von Lothringen gestellt, ein Nachfahre der Anjou, die einige hundert Jahre zuvor Neapel regiert hatten.
Annese hatte sich eine Teilung der Macht mit Henri de Guise vorgestellt: De Guise sollte für den Sieg über Spanien sorgen und die Fundamente für die Republik legen, mehr nicht. Annese verlor den Machtkampf: Zu Weihnachten gelang es de Guise, ihn praktisch auf die Rolle eines Kastellans des Torrione del Carmine zu beschränken.

In meinem Roman "Königliche Republik" spielt dieser Machtkampf zwischen de Guise und Annese die  entscheidende Rolle im - fiktiven - Hochverratsprozess gegen Mirellas Bruder Dario.

Neapel hält nicht Stand; die Spanier erobern immer größere Teile der Stadt zurück. Da beginnt Annese, ab Ende Februar mit den Spaniern hinter dem Rücken de Guise über die Aufgabe der stadt zu verhandeln in der Hoffnung, damit seine eigene Haut zu retten.
Sein Verrat an der Republik, die doch die seine ist, geht so weit, dass er ein Attentat auf de Guise zumindest billigt, wenn nicht gar unterstützt. Das Attentat kann vereitelt werden; die Vorbereitungen werden verraten.

Auch dieses Attentat habe ich als historischen Hintergrund für den Gang von Mirellas Geschichte in der  "Königlichen Republik"genommen.

De Guise wird geschlagen und gefangen genommen. Die Spanier nehmen Neapel ein, Annese unterwirft sich und behält sein Leben.
Aber nicht lange. Er nimmt wieder Kontakt zu den Franzsoen auf. De Guise ist zwar in Gefangenschaft, aber da gibt es noch einen Savoyer Prinzen, dessen Ambitionen von Mazarin gebilligt werden. 
Es bleibt nicht geheim. Im Juni 1648 lässt der neue spanische Vizekönig, Graf d'Oñate, Annese festnehmen. Von mehreren Freunden verraten, gesteht Annese unter der Folter und wird zum Tode verurteilt.
Am 20. Juni 1648 wird Annese enthauptet.








13.3.12

Neapel im Untergrund


Nein, der Blogtitel bezieht sich nicht auf die Camorra, sondern auf die Geologie Neapels ...
In großem Umfang besteht der Untergrund aus dem relativ weichen Tuffstein: ein hervorragendes Baumaterial, das direkt vor Ort zur Verfügung steht. Schon die alten Griechen haben es in der Gegend für ihre Tempel und die Stadtmauer benutzt; die Anfänge reichen an die 5000 Jahre zurück. Merkwürdigerweise haben sie dafür keine Steinbrüche in Tagebauweise betrieben, sondern sind unter die Erde gegangen.
Neben diesen Kavernen gab es auch Katakomben als Begräbnisstätten wie in vielen römischen Städten.
Die Römer haben die unterirdischen Hohlräume zu einem Wasserversorgungssystem verbunden, das die Häuser über Zisternen versorgte. Es war bis zum 19. Jahrhundert in Betrieb, nachdem zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein neues Aquädukt gebaut worden war. Neapel war praktisch die einzige europäische Stadt, die „fließendes“ Trinkwasser in den Häusern hatte. Sie wurden aus der Quelle des Serino, etwa 70 km von Neapel entfernt, versorgt.
Im Mittelalter wurde weiter ausgehöhlt und mit Tuffstein gebaut, sodass ein weitverzweigtes System an Gängen und Höhlen entstand (Napoli sotteranea), die allerlei Zwecken dienen konnten.
Das unterirdische Neapel hat praktisch die gleiche Ausdehnung wie das an der Oberfläche. Die Kavernen haben teilweise gigantische Ausmaße und reichen bis in Tiefen von 40 Metern.
Entsprechend lasse ich in meinem Roman die Verschwörer die Kavernen für die Vorbereitung des Attentats auf den Dogen benutzen, und meine Mirella geht dort unten zusammen mit Cesare auf die Suche nach den Pulverfässern. Leseprobe
Ein kleiner Teil der Tunnel ist heute (wieder) öffentlich zugänglich und kann besichtigt werden. Der gesamte Umfang des unterirdischen Netzes ist in Vergessenheit geraten. Ein Teil war oder ist auch verschüttet. Immer wieder werden neue Bereiche entdeckt, etwa anlässlich des Einsturzes eines Hauses.
Auch der Monte Ecchia, auf dem das Viertel von Pizzofalcone gebaut ist – wo ich in der „Königlichen Republik“ die Trattoria zum „Gallo bianco“ angesiedelt habe - , besteht aus Tuffstein. Die Höhlen dort wurden in prähistorischer Zeit teilweise bewohnt.
Der Weinkeller des „Gallo bianco“ ist in eine solcher Höhlen hineingebaut, wegen der gleichbleibenden Temperaturen ein idealer Lagerort.

6.3.12

Kapellmeister am Hof von Neapel



In meinem historischen Roman „Königliche Republik“ tauchen bei den Bällen im Palazzo Reale – dem Schloss von Neapel – zwei Kapellmeister namentlich auf: Giovanni Trabaci und Andrea Falconieri. Beide sind historische Figuren und waren tatsächlich am Hof des Vizekönigs angestellt.
Der historische Giovanni Maria Trabaci stirbt mitten in meiner Geschichte, am 31. Dezember 1647, sodass Andrea Falconieri beim Maskenball am Mardi gras als sein Nachfolger auftaucht.

Giovanni Maria Trabaci
Giovanni Maria Trabaci, geboren etwa 1575 in der Provinz Matera, war ab 1614 Kapellmeister der Königlichen Kapelle des Hofes von Neapel. Er war Sänger und Organist – und natürlich Komponist: Die von ihm komponierten Passionen gelten als bemerkenswert eigenständiger Beitrag zu dieser Musikgattung. Vor allem aber hat er sich dem neapolitanischen Kanzone gewidmet.  
Im International Music Score Library Project finden sich einige (wenige) seiner Kompositionen: ein Orgelstück, ein Kanzone und eine Fuge. Im Werning Icking Musik Archiv sind Hörbeispiele seiner Musik zu finden.

Andrea Falconieri, geboren vermutlich in Spanien um 1585, war ab 1639 am Hof in Neapel tätig. Nach dem Tod von Giovanni Trabaci übernahm er die Leitung der Königlichen Kapelle. Zuvor war als Musiker am Hof von Florenz und bereiste Spanien und Frankreich.
Er starb, soweit man weiß, während der Pestepidemie von 1656. 
Falconieri war Sänger, Komponist und spielte die Laute. Er schrieb Motetten und Madrigale und Stücke für die frühbarocken Tänze, bei denen er spanische und italienische Elemente kombinierte. Ein „Buch“ mit Kanzoni und Tänzen widmete er Don Juan d’Austria, dem unehelichen Sohn König Philips IV von Spanien, der die Flotte befehligt, die der spanische König im Spätsommer 1647 nach Neapel schickt, um den Aufstand zu beenden. Meine Mirella begegnet Don Juan an Bord seines Flagschiffs, als sie ihren Verlobten besucht.
Eine ganze Reihe der Kompositionen von Andrea Falconieri mit Hörbeispielen finden Interessierte ebenfalls im Werner Icking-Musikarchiv.


Königliche Republik als E-Book erhältlich

Mein historischer Roman "Königliche Republik" ist jetzt als E-Book erschienen.


Derzeit ist er erhältlich auf Smashwords
und auf Amazon in den Kindle Stores aller Länder.
Weitere Plattformen folgen.

Die ehrgeizige Patriziertochter Mirella Scandore ist mit einem Granden Spaniens verlobt, als sich das Volk von Neapel gegen die spanische Herrschaft erhebt. Neapel erwählt sich den Herzog von Lothringen, Henri de Guise, zu seinem neuen Dogen.
Mirella lernt ihn zu schätzen und verliebt sich in einen seiner Offiziere, Alexandre de Montmorency.
Ihr Bruder Dario dagegen bekämpft die junge Republik und schließt sich nach einem Anschlag auf das Tuchlager der Familie den feudalen Landbaronen an. Als er verraten wird, deckt Mirella ihn schweren Herzens.
Doch dann plant er ein Attentat gegen den Dogen, bei dem unweigerlich auch Alexandre getötet würde. 

7.2.12

Tänze


 Der Gesellschaftstanz wurde erst zum Ende des Spätmittelalters bzw. in der Frühen Neuzeit ein beliebter Zeitvertreib an den europäischen Fürstenhöfen. Die Tänze schöpften aus den lokalen Volkstänzen – die wiederum später Anleihen an den höfischen Tänzen machten.
Hoftanzmeister und das Erscheinen der ersten Tanzhandbücher sorgten dafür, dass Tänze international wurden. Der Tanz wurde Teil der adligen Lebensweise. Am Anfang standen würdevolle Schreit- und Prozessions-Tänze wie die Pavane. Über die Pavane schrieb der französische Tanztheoretiker Thoinot Arbeau: „Den Königen, Fürsten und großen Herren dient die Pavane dazu, sich aufzublähen und sich prunkend zu zeigen.“
Im 16. Jahrhundert wurden Tänze modern, die sich durch Sprünge und schnellere Bewegungen auszeichneten und auch mehr Beweglichkeit erforderten. Der erste dieser Tänze war die italienische Gaillarde, die bald regelmäßig nach der Pavane getanzt wurde, bis sie von der Courante bzw. der Corrente abgelöst wurde: Aus der altfranzösischen Courante wurde im 17. Jahrhundet die „Courante“ und die „Corrente“ – die Courante langsamer und im 3/2 oder 6/4 Takt; die Corrente meist im 3/8 oder 3/4 Takt. (Die Courante ist langsamer als die Corrente)
Diese lebhaften Tänze als stilisierte Versionen der Volkstänze, die wurden mit gleichfalls stilisierter Musik unterlegt. Entsprechend der von den Tanzschulen gelehrten Reihenfolge der Tänze wurden die passenden Suiten komponiert, in denen uns noch heute die Namen der Tänze begegnen. 

**

Wenn von italienischen Volkstänzen die Rede ist, fällt stets ein Begriff: die Tarantella.
Der Legende nach soll sie von denen getanzt worden sein, die von einer giftigen Spinne, der tarantola, gebissen worden waren. Wahrscheinlicher war aber die Stadt Taranto der Namensgeber.

Vermutlich ist sie aus Fandango und Moreska entstanden.
Es ist auch nicht ein Tanz, sondern – heutzutage - der Oberbegriff für eine ganze Reihe süditalienischer Tänze. Gemeinsam ist diesen Tänzen lediglich, dass sie schnell sind. Sie unterscheiden sich aber sowohl in der Tonart wie in der Metrik. Im Laufe der Zeit wurden die regionalen Namen durch die Bezeichnung Tarantella ersetzt. Die erste schriftliche Erwähnung stammt vom Beginn des 17. Jahrhunderts; die Tarantella wurde zum Emblem des „Königreichs der beiden Sizilien“ – Sizilien und Neapel. 
Neben der neapolitanischen Tarantella wurde in Kampanien die Tammuriata nera getanzt. Auch sie wird den Tarantelle zugerechnet, unterscheidet sich von diesen aber durch den strikt binären Rhythmus.
Die Tammuriata wird immer paarweise getanzt; das klassische Instrument - daher der Name - ist eine große Trommel - tammorra -, der sich andere Instrumente, von der Flöte bis zur Ziehharmonika, zugesellen können. Die Tammuriata zeichnet sich durch eine große Dynamik der Armbewegungen was, was dadurch entstanden ist, dass die Tänzer  mit nacchere, einer Art Kastagnetten, den Basis-Rhythmus vorgaben.

 

31.1.12

Schokolade

Die meisten dürften wissen, dass der Kakao nach der Entdeckung Amerikas von den spanischen Konquistadoren nach Europa gebracht wurde; und zwar Anfang des 16. Jahrhunderts. Bei den Azteken wurde Kakao als Kaltgetränk benutzt. Es war bitter und wurde gewürzt, beispielsweise mit Piment oder Pfeffer.
Kakaobohnen waren von großem Wert und wurden im Mexiko Montezumas als Zahlungsmittel benutzt. Kakao galt zudem als berauschendes Lebensmittel und war damit – nach Ansicht der Azteken – für Frau und Kind ungeeignet: Das Getränk war den erwachsenen Männern des Adels vorbehalten.
Schokolade wurde im Laufe des 16. Jahrhunderts zum Modegetränk am spanischen Hof; richtig populär aber erst, nachdem man auf die Idee gekommen war, es zu süßen. Für das 16. Jahrhundert blieb es auf den spanisch beherrschten Teil Europas beschränkt.
Frankreich machte die Bekanntschaft mit der Schokolade 1615 in Bayonne bei der Hochzeit Königs Ludwigs XIII mit der spanischen Prinzessin Anna von Österreich.
Der Beiname „von Österreich“ bezieht sich auf den Habsburger Ursprung der damals in Spanien herrschenden spanischen Königsfamilie. So heißt auch der Bastard-Sohn König Philipps IV. Don Giovanni (oder Don Juan) d’Austria. Er taucht als neuer spanischer Vizekönig in meinem Roman „Königliche Republik“ auf.
Zur Mode wird Schokolade am Hof von Versailles aber erst in der Zeit Ludwigs XIV. Sie wird heiß getrunken wie Kaffee; nur der Hof hat anfangs Zugang zu dem Getränk.
Wer sich an die „Angélique“-Romane von Anne Golon – oder die Filme – erinnert: Angélique wird reich, nachdem sie vom König das Monopol für Schokolade erhalten hat. (Was natürlich nicht den historischen Tatsachen entspricht; aber ein Roman darf das.) Sie eröffnet ein gut gehendes Kaffeehaus und vergibt Lizenzen für andere Städte – Franchising. („Merveilleuse Angélique“)

Wahrscheinlich Ende des 16. Jahrhunderts gelangte die Schokolade nach Italien: Caterina, eine Tochter Philipps II. von Spanien, heiratete 1585 den Herzog von Savoyen, Carlo Emanuele I. Anfang des 17. Jahrhunderts brachte dann ein Florentiner Händler die Schokolade in die Toskana.
Ab 1606 wurde Schokolade in Florenz, Venedig und Turin hergestellt, gelangte also über den höfischen Rahmen hinaus.

Darum ist es plausibel, dass Mirella Scandore in der „Königlichen Republik“ bei der alten Cristina Schokolade trinkt. Zusammen mit dem Süßen war es auch schon verbreitet, sie mit Milch statt mit Wasser zu kochen.

24.1.12

Masaniello – der Schmuggler als Generalleutnant von Neapel



Der von Masaniello angeführte Aufstand im Juli 1647 war der Auslöser für den Versuch der Neapolitaner, sich von der spanischen Herrschaft zu befreien.
Spanien stand im Begriff, die Vorherrschaft in Europa zu verlieren. Nachdem das Gold aus den amerikanischen Indianerreichen aufgebraucht war, musste anderweitig Geld her, um den Krieg in Flandern zu finanzieren.
Der spanische Vizekönig in Neapel sollte eine Million Dukaten eintreiben.

Nach manchen Berichten war es eigentlich Masaniellos Frau Bernadetta Pisa, die am 7. Juli 1647 während des Fests zu Ehren der Madonna del Carmine den Aufstand auslöste. Bernadetta war acht Tage im Gefängnis gewesen, weil sie einen Strumpf voll Mehl steuerfrei in die Stadt geschmuggelt hatte. Um sie auszulösen, hatte Masaniello 100 Scudi zu zahlen, für die er sich verschulden musste.

Masaniello – richtiger Name Tommaso Aniello d'Amalfi – 1620 in Neapel geboren, war Fischer wie sein Vater. Hauptsächlich aber schmuggelte er für den napoletanischen Landadel und brachte es dabei zu beträchtlichem Ruhm.
Gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni und Gruppen von lazzari (damals jugendliche Nichtstuer und Kleinkriminelle aus den armen Schichten) begann Masaniello ab Juni die ersten Scharmützel gegen die gabelle, die während des Marienfestes zum Aufstand wurden.
Der Vizekönig verschanzte sich in einem Kloster und ließ dem Erzbischof der Stadt, Filomarino, ausrichten, er sei bereit, alle Steuern aufzuheben. Und desgleichen die alten Privilegien wieder in Kraft zu setzen, die dem Bürgertum die gleichen Rechte wie den Adligen gaben.
Währenddessen begann Masaniello einen Rachefeldzug gegen die Steuereintreiber, dem bald auch zahllose Adlige und Patrizier zum Opfer fielen. Jeder galt als Verräter, der verhandeln wollte.
Auf diese Weise machte sich Masaniello unter dem Adel Feinde. Ein erstes Attentat auf ihn scheiterte jedoch und der Anführer der Banditen wurde gelyncht.
Am Tag danach wurde Masaniello zum Capitano generale del fedelissimo popolo napoletano ernannt, also zum militärischen Führer von Neapel. Bis dahin hatte er laut einem Brief des Kardinals an den Papst "Vorsicht, Weisheit und Mäßigung“ bewiesen.
Nach seiner Ernennung begann er mit seiner Frau am Hof des Vizekönigs zu verkehren. Und eine Willkürherrschaft über Neapel auszuüben, die an den Terreur der Französischen Revolution erinnert.

Schlimmer aber, er begann Anzeichen von Wahnsinn zu zeigen. Die Legende behauptet, der Auslöser sei ein Halluzinogen gewesen, dass man ihm während eines Banketts beim Vizekönig heimlich verabreicht habe.
Im Verfolgungswahn floh er am 16. Juli in die Basilika der Madonna del Carmine, aber das Volk war nicht mehr bereit, ihm zu gehorchen und ihn zu schützen. Er hielt während der Messe eine Rede und zog sich nackt aus. Filomarino bewog ihn, sich ins angrenzende Kloster zurückzuziehen. Vom Vizekönig gekaufte Soldaten erschossen und köpften ihn dort . Anschließend wurde er in einem Graben verscharrt. 


Am folgenden Tag stellten die Neapolitaner fest, dass sie verloren hatten, was Masaniello ihnen erkämpft hatte. Auf Mehl wurden wieder Steuern erhoben und das Brot wog weniger als am Vortag.
Masaniellos Leiche wurde ausgegraben, der Kopf wieder angenäht und am.18 Juli wurde er nach einer Prozession durch die ganze Stadt in der Basilika begraben.

3.1.12

Billard ... ging früher ganz anders


Gravur aus einer Spielanleitung von 1674
 "(...) „Erzähl mir von dem jungen Offizier. Hast du ihm schöne Augen gemacht?
Mirella stieg die Hitze ins Gesicht. „Ich kenne ihn schon eine Weile. Meine Freundin Stefania und ich – wir haben oft mit den Männern de Guises Billard gespielt.“
„Billard – was ist das?“
„Man spielt mit kleinen Bällen auf einem Tisch.“
„Mit kleinen Bällen – erwachsene Männer?“
Mirella lachte lauthals; so hatte sie es noch nie betrachtet. „Man braucht eine ruhige Hand, Augenmaß und muss Geometrie beherrschen.“ (...) 
aus "Königliche Republik"

Der französische König Ludwig XI (1461–1483) soll als erster einen Billard-Tisch benutzt haben. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts wurde an vielen europäischen Höfen Billard gespielt. Es hatte sich aus Ballspielen im Freien entwickelt, bei denen der Ball mit einem Stock geschlagen wurde.
Als es - möglicherweise des Wetters wegen - nach innen verlegt wurde, landete es auf dem Tisch. Der wurde mit Leisten versehen, um die Bälle im Zaum zu halten.
Davon abgesehen hatte das damalige Spiel mehr Ähnlichkeit mit Cricket als mit den uns vertrauten Varianten des Billards.
Man benutzte keine Queue, sondern ein Spielgerät, das entfernt an einen  Hockey-Schläger erinnert. Damit mussten die Bälle durch Tore, Bögen und über Hindernisse  befördert werden.
Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts begann die Entwicklung des Spielstocks zur Queue, als die Bälle mehr und mehr mit dem dünnen Ende des Stocks bewegt und mehr gestoßen als geschlagen wurden.
Nach der Französischen Revolution ging die Weiterentwicklung des Spiels einerseits in Richtung Karambolage, andererseits zum Pool-Billard.

23.12.11

Die "Königliche Republik" von Neapel 1647/1648


Für uns Heutige klingt der Titel widersprüchlich. Mit einer Republik verbinden wir die modernen demokratischen Regierungssysteme, während ein König doch per Geburtsrecht regiert.

Tatsächlich aber hatten die italienischen Städte in der frühen Neuzeit parlamentarische Strukturen: Sie wurden von, oft gewählten, Vertretern der wirtschaftlich wichtigen Stände beherrscht. Das waren nicht nur die Adligen, sondern auch Patrizier. 
Der Herr der Stadt - der Doge - war in seinen Entscheidungen nicht völlig frei, sondern tat gut daran, die Interessen der Standesvertreter zu berücksichtigen.  

Beim Stichwort "neapolitanische Republik" fällt den meisten Deutschen die Zeit Napoleons ein.
Die Köngiliche Republik datiert aber gut 150 Jahre früher. Sie hatte mehrere offizielle Namen:
  • "Serenissima Repubblica di questo Regno di Napoli"
  • "Reale Repubblica Napoletana"
  • "Serenissima Monarchia Repubblicana di Napoli"

Aus dem zweiten Namen - Königliche neapolitanische Republik - habe ich den Titel meines historischen Romans "Königliche Republik" gemacht: Er spielt in der Zeit vom Juli 1647 bis April 1648.

Europa befindet sich kurz vor dem Ende des Dreißigjährigen Krieges. Spätestens seit der Schlacht von Rocroi 1642 zeichnet sich mehr und mehr auch militärisch das Ende der spanischen Vorherrschaft ab.
Wirtschaftlich ist Spanien schon länger in Bedrängnis. Die Reichtümer aus der Neuen Welt sind aufgebraucht, vergeudet in langjährigen Kriegen.
Neues Geld muss her. Der spanische Vizekönig, der Stadt und Land von Neapel regiert, dreht immer weiter an der Steuerschraube. 
1646 führt er die gabelle auf Obst ein - eines der Hauptnahrungsmittel der Neapolitaner im Sommer. Die Stadt erhebt sich.

Der Aufstand wird geführt von dem Fischer und Schmuggler Tommaso Aniello d'Amalfi, genannt Masaniello. Hinter ihm steht freilich ein intellektueller Kopf, der alte Priester und "Volkstribun" Giulio Genoino. Durch Zugeständnisse gelingt es dem Vizekönig, den Aufstand zu beenden.
Nach der Ermordnung Masaniellos wächst jedoch die Unzufriedenheit erneut - das Volk fühlt sich betrogen.
Unter der Führung des Waffenschmieds Gennaro Annese erhält der Aufstand eine anti-spanische Stoßrichtung. Im Oktober 1647 wird das Vizekönigreich Neapel für unabhängig erklärt. Frankreich wird um Hilfe gebeten.

Henri de Guise, Herzog von Lothringen, ist ein Nachfahre der Anjou, die vor Zeiten Neapel regiert haben. Er nimmt die Einladung der Neapolitaner an, die Regierungsgewalt zu übernehmen. 
Mitte November 1647 wird er zum Dogen gekrönt und lässt - auf eigene Kosten - eine Armee gegen die Spanier ausheben.  Doch das Kriegsglück währt nicht lange. 
Übergabe an Don Juan d'Austria
Von Frankreich nur halbherzig unterstützt, vom Streit zwischen de Guise und Annese geschwächt und von den eigenen Bürgern verraten, kann Neapel nicht lange Stand halten.  
Die Königliche Republik ist schon im April 1648 besiegt und die Spanier übernehmen wieder die Herrschaft.







11.10.11

"Das Feuerpferd" habe ich gerade im Amazon Kindle Shop auf der Fantasy-Bestseller-Liste unter den ersten 100 gefunden. Genau genommen auf Platz 84.
Einen tiefen Dank an unsere Leserinnen und Leser.

 


"Das Feuerpferd". Fantasy-Roman. Im Amazon Kindle Shop kaufen.
Auch erhältlich auf iTunes , Smashwords, beam e-books und anderen Plattformen.